Die Nachtests zur Pisa-Studie an Berliner und Hamburger Schulen sind gescheitert, weil andere Bundesländer befürchteten, dass die beiden Stadtstaaten zu gut abschneiden könnten. Und die europäischen Wirtschaftsorganisation OECD, die die Nachtests genehmigen musste, hat sich in dieser Intrige instrumentalisieren lassen. So werten Experten das Hin und Her um die Genehmigung der Nachtests. Diese waren nötig geworden, weil in Hamburg und Berlin an den Haupt- und Gesamtschulen nicht die erforderlichen 80 Prozent Schüler teilgenommen hatten. Jetzt werden nur die Ergebnisse an den Gymnasien mit denen der anderen Bundesländer verglichen.Das Mitleid darüber hielt sich gestern jedoch in Grenzen. "Wichtig sind für uns die nationalen Ergebnisse", sagte ein Sprecher des Bundesforschungsministeriums, "dass Berlin nicht dabei ist, ist für uns nicht dramatisch". Eher lau klang auch das Bedauern aus Bremen, das als Hauptgegner der Nachtests gilt. Der Sprecher von Bremens Schulsenator Willi Lemke (SPD), Rainer Gausepohl, bestätigte gestern indirekt, dass man über die OECD Kritik angemeldet habe. "Wir haben Fragen zur Vergleichbarkeit der Daten bei einem Nachtest gestellt."Über die "Bedenken anderer Länder" hatte das Pisa-Koordiniationsbüro der OECD in Paris die Berliner am Montag informiert. Dies wolle man "in ein paar Tagen" klären. "Das war das reinste Verzögerungspiel", sagte ein Beteiligter. Die Tests wurden abgesagt. Nachdem sie bereits eine Woche verschoben worden waren, sah man keine Möglichkeit mehr, die Tests vor den Sommerferien über die Bühne zu kriegen. Nur 48 Stunden später kam dann doch die Zusage der OECD - zu spät. "Es ist wirklich bitter", sagte der Pisa-Koordinator der Schulverwaltung, Tom Stryck. Senator Böger erklärte, er fühle sich von der OECD "reingelegt". "Wir sind schon Anfang der Woche über unsere Schmerzgrenze hinausgegangen", sagte Heiko Sibberns von der Hamburger Firma DPC, die die Prüfungsunterlagen liefern sollte. "Mit der erneuten Verzögerung war es unmöglich, die Vorlagen für die Druckerei noch rechtzeitig fertigzustellen." So müsse allein jede Seite der Prüfungshefte für jeden Schüler mit einer anderen Code-Nummer versehen werden. Empört ist man in Berlin über die "Kompetenzüberschreitung" der OECD, so ein Wissenschaftler: "Die OECD hatte lediglich zu prüfen, ob die Vertraulichkeit der Daten gesichert ist. Ob sie vergleichbar sind, ist überhaupt nicht ihre Sache." Die sei bereits im Vorfeld von der Kultusministerkonferenz geklärt worden. (cd.)
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