Antisemitismus

Berlin verzeichnet mit Abstand die meisten antisemitischen Vorfälle

Die Hauptstadt ist bundesweit der Hotspot antisemitischer Übergriffe. Mehr als 2000 Fälle hat die Meldestelle RIAS allein in Berlin für 2025 dokumentiert.

2 Min
Antisemitismus: Der Bundesverband Rias erfasst 8725 Vorfälle.

Antisemitismus: Der Bundesverband Rias erfasst 8725 Vorfälle.

© Robert Michael/dpa

Berlin ist im Jahr 2025 das Bundesland mit den mit Abstand meisten antisemitischen Vorfällen gewesen. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) registrierte in der Hauptstadt 2027 Fälle, wie aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Jahresbericht hervorgeht. Bundesweit dokumentierte die Meldestelle 8725 antisemitische Vorfälle oder durchschnittlich 24 pro Tag.

Zu den schwerwiegendsten in Berlin erfassten Taten zählt der Messerangriff auf einen spanischen Touristen im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals im Februar 2025. RIAS verzeichnete bundesweit vier Fälle extremer Gewalt, im Vorjahr waren es acht.

Israelbezogene Vorfälle dominieren

Bundesweit machte israelbezogener Antisemitismus mit 68 Prozent die häufigste Erscheinungsform aus, etwa wenn die Vernichtung des Staates Israel gefordert wird. Das Gros der Taten entfiel auf verletzendes Verhalten, oft in Form antisemitischer Schmierereien. 178 Angriffe, 413 gezielte Sachbeschädigungen und 257 Bedrohungen wurden insgesamt erfasst. Mehr als ein Viertel aller Vorfälle ereignete sich online.

Im Vorjahr waren bundesweit 8713 Vorfälle gemeldet worden. Im Vergleich zum Jahr 2022 – vor dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Krieg im Gazastreifen – habe sich die Zahl der Vorfälle mehr als verdreifacht.

„Bitterer Alltag“ für Juden

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sieht Antisemitismus in Deutschland aufgrund der Zahlen „ungebremst auf dem Vormarsch". Antisemitismus sei „kein Ausnahmezustand mehr, sondern für viele Jüdinnen und Juden bitterer Alltag“.

Auch für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, führe die „fast alltägliche Präsenz des Judenhasses“ zur Bildung einer „neuen Normalität“. Jüdisches Leben werde aus der Öffentlichkeit gedrängt und sei nur unter „immensen Schutzanstrengungen möglich“, sagte Schuster der Neuen Osnabrücker Zeitung.

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Mehr rechtsextreme Vorfälle

Einen neuen Höchststand seit Beginn der bundesweiten Erhebung im Jahr 2020 erreichten Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund. Insgesamt verzeichnete RIAS 807 Fälle, nach 562 im Jahr 2024. 501 Vorfälle hatten einen links-antiimperialistischen Hintergrund, im Vergleich zu 349 im Vorjahr. Am häufigsten konnten die Taten der Kategorie „antiisraelischer Aktivismus“ zugeordnet werden, auf die 23 Prozent entfielen. Nur zwei Prozent gingen auf das Konto islamistischer Ideologien. (mit epd)

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