Berlin von A bis Z

Martina Reich
5 Min

AdK: Könnte auch Akademie der Künste heißen, ist aber in diesem Fall eine bei eingefleischten Marzahnern gebräuchliche Abkürzung für die Allee der Kosmonauten. Der Name - die Straße erhielt ihn am 22. September 1978 -, soll an den gemeinsamen Weltraumflug von Sigmund Jähn und Waleri Bykowski erinnern. Die AdK ist rund 5,4 Kilometer lang und erstreckt sich von der Herzbergstraße in Lichtenberg bis zur Kreuzung Raoul-Wallenberg-Straße/ Landsberger Allee.Bürgerablage: Hier werden nicht volltrunkene Bürger zum Ausnüchtern abgelegt, wie man bei dem Namen vielleicht vermuten könnte. Die Badestelle an der Oberhavel heißt so, weil früher dort die Spandauer Bürgerschaft ihr Baumaterial lagerte.Corbusierhaus: Die 1957 zur Internationalen Bauausstellung errichtete Wohnanlage des französischen Architekten Le Corbusier war ein echter Klopper. Wegen seiner ungeheuren Größe entstand das 17 Stockwerke hohe Gebäude außerhalb des Ausstellungsgeländes an der Heerstraße.Dahlemer Palmenhausheuschrecke: Der Berliner Biologe Wolfdietrich Eichler entdeckte im Palmenhaus des Botanischen Gartens eine unbekannte weibliche Heuschrecke. In seiner Doktorarbeit beschrieb er 1938 die neue Art und gab ihr den Namen "Phlugiola dahlemica". Die Dahlemer Palmenhausheuschrecke gehört heute zur Insektensammlung des Museums für Naturkunde.Eiskeller: Hier kriegt man kalte Füße, denn der in einer Senke im Nordwesten Spandaus gelegene Ort gilt als kältester in Berlin. In klaren, windstillen Nächten liegen die Temperaturen bis zu zehn Grad unter denen im Zentrum. Schon vor Jahrhunderten nutzten Bauern diesen Standortvorteil: Sie schlugen Eisblöcke aus dem See, lagerten sie in Kellern und verkauften sie an Brauereien und Krankenhäuser.Fernrohr. Das Linsenfernrohr der Archenhold-Sternwarte ist so groß, dass es ein eigenes Gebäude hat. Die 21 Meter lange "Himmelskanone" wurde zur Gewerbeausstellung 1895 gebaut und ist bis heute funktionsfähig.Goldfinger: So nennen die Berliner flapsig den bronzenen Bauarbeiter an der Ecke Karl-Liebknecht-/Hirtenstraße, dessen Zeigefinger vom vielen Anfassen ganz golden glänzt. Die Skulptur von Bildhauer Gerhard Thieme steht seit 1968 am Platz.Herta Heuwer: Ihr verdanken die Berliner eine kulinarische Berühmtheit: die Currywurst. Am Haus Kantstraße 10, wo Heuwers Würstchenbude stand, erinnert seit 2003 eine Gedenktafel an die Erfinderin der Currywurst.Im Westen was Neues: Eine Initiative von Schriftstellern, Malern und Schauspielern um die Galeristin Isabelle Azoulay und den Theaterregisseur Jörg Aufenanger, die mit Ausstellungen, Lesungen und Aktionen Charlottenburg beleben wollte. Gegründet wurde sie im Mai 2006 in einem ehemaligen Bordell am Savignyplatz. Der Name bezieht sich auf den berühmten Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque.Jungfernstieg: Nicht nur Hamburg hat einen, Berlin auch. Der Lichterfelder Jungfernstieg ist allerdings nach dem berühmteren benannt.Karpfenteich: Als der Berliner Winter noch diese Bezeichnung verdiente, war der Teich im Treptower Park der Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen zum Schlittschuh laufen und Eishockey spielen. Der Karpfenteich, 1896 zur Gewerbeausstellung angelegt, gab auch einer Straße den Namen.Large Butterfly: Dieser große Schmetterling wird nie fliegen. Die zehn Tonnen schwere Bronzeskulptur vor dem Haus der Kulturen der Welt war die letzte Arbeit des britischen Bildhauers Henry Moore.Mont Klamott: Andere Trümmerberge geraten irgendwann in Vergessenheit. Nicht aber der im Volkspark Friedrichshain. Mit ihrem gleichnamigen Album setzte 1983 die Gruppe Silly dem 78 Meter hohen Großen Bunkerberg ein musikalisches Denkmal.Nudeltopp: Nudeln wurden nicht in ihm gekocht, aber es brodelte gewaltig, wenn in der Radrennbahn am Bahnhof Treptow gefahren wurde. Die Bahn unter freiem Himmel verdankt ihren Namen ihren steilen Kurven, der Neigungswinkel betrug 50,5 Grad. Nachdem die Stadt Berlin 1926 den Pachtvertrag gekündigt hatte, wurde die Anlage abgerissen.Onkel Toms Hütte: Das Buch von Harriet Bee- cher-Stowe muss einen Berliner Kneipier so inspiriert haben, dass er sein Ausflugslokal am Rande des Grunewalds danach nannte und damit eine Kette in Gang setzte. Denn die Gaststätte wurde namensgebend für ein ganzes Wohngebiet, das 1926 bis 1932 in Zehlendorf entstand. Nach der Siedlung wiederum ist der U-Bahnhof Onkel Toms Hütte benannt, der 1929 in Betrieb genommen wurde.Paul-und-Paula-Ufer: Dem berühmten Defa-Liebespaar ist am Rummelsburger See ein ganzes Uferstück gewidmet. Dort entstand 1972 die Szene, in der Paul (Winfried Glatzeder) und Paula (Angelica Domröse) blumenbekränzt in einem Kahn übers Wasser gleiten.Q-Dorf: Jede Fahrt von Abiturienten aus Westdeutschland endet in dieser Riesendiskothek nahe dem Kudamm.Rote Insel: Unter diesem Namen ist die Schöneberger Insel an der Kolonnenstraße seit den 1920er-Jahren bekannt. Im Kiez der "kleinen Leute" war der Anteil der KPD- und SPD-Wähler besonders hoch.Sechserbrücke: Sie führt über die Zufahrt vom Tegeler See zum Tegeler Hafen. Für ihre Benutzung musste man früher als kleinen Obolus einen Sechser entrichten.Teufelssee. Wundersame Geschichten ranken sich um das eiszeitliche Hochmoor in den Müggelbergen. In grauer Vorzeit soll dort mal jemand einen Altar des Teufels gesehen haben. Eine andere Legende berichtet von einem verwunschenen Schloss, das an dieser Stelle versunken sein soll. Ob nun ein Schlossfräulein auf dem Grund ausharrt oder nicht, ein Spaziergang auf dem Naturpfad um den See ist allemal lohnenswert.Unterbaum: Als Gegenstück zum Oberbaum auf der Ostseite der Spree versperrte der schwimmende Balken im Westen das "Wassertor" zur Doppelstadt Berlin und Cölln. Mit dem Bau der letzten Stadtmauer im 18. Jahrhundert wurden Ober- und Unterbaum um einige Kilometer weiter nach außen verlagert.Volksparksteg: Die Fußgängerbrücke über die Bundesallee wurde 1971 erbaut und war Berlins erste Schrägseilbrücke. Sie verbindet den größeren östlichen Teil des Volksparks Wilmersdorf mit dem kleineren westlichen.Wilder Eber: Die Bronzeplastik eines angriffslustigen wilden Ebers schmückt den gleichnamigen Platz mit sieben Straßeneinmündungen in Schmargendorf. Der Eber, in den 1920er-Jahren von Paul Gruson geschaffen, überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht. 1961 wurde ein Nachguss aufgestellt. Der Platz zum wilden Eber ist eine wichtige Station beim Berlin-Marathon.Xberg: Schreibweise der SMS-Generation für Kreuzberg.Yun, Isang: Der Koreaner lehrte von 1970-1985 an der Hochschule der Künste Komposition. Nach seinem Tod bekam er ein Ehrengrab auf dem Friedhof Gatow.Zitadellengeist: Ist kein Gespenst, dass die Besucher der Spandauer Zitadelle erschreckt, sondern ein hochprozentiges Getränk. Den aus Äpfeln und Birnen Gebrannten gibt es in der Zitadellen-Schänke.Notiert von Martina Reich, illustriert von Isabella Galanty.

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