„Wir ham, wat da is“, antwortet die Angestellte im Netto, als ich fragte, wo ich die Bio-Zitronen finden könne. In der Hand halte ich noch das gelbe Netz mit den konventionell angebauten Zitronen. Kurz zuvor hatte eine Kundin eine Packung Bio-Zitronen aufs Kassenband gelegt. Ich begab mich also wieder in die Obst- und Gemüseabteilung, wo ich zuvor bereits vergeblich nach der ungespritzten Frucht gefahndet hatte, und durchforstete Stand für Stand, Kiste nach Kiste. Wo hatte die Frau die leckeren Zitronen nur gefunden?
Was unterscheidet Berliner von den Genuesen?
Ich habe es nie herausgefunden. Vermutlich hätte die Kundin mir eher Auskunft gegeben als die Netto-Angestellte. Als ich mich schließlich mit den herkömmlichen Zitronen zur Kasse begab, konnte ich mir ein lautes Lachen nicht verkneifen. „Wat is’n so witzig?“, fragte die Kassiererin ruppig. „Ach, nichts“, antwortete ich mit einem breiten Lächeln. Irgendwie erinnerte mich dieser Umgang an meine Heimatstadt Genua.
Diese unfreundliche, ruppige Art, die viele Berliner auszeichnet, ist auch im Alltag der italienischen Hafenstadt zu finden. Wer nicht aus Genua kommt, wird mit absoluter Sicherheit auf die Schippe genommen. Aber Genuesen diskriminieren nicht – Unfreundlichkeit ist für alle gedacht, auch untereinander.
In Restaurants gehört raues Verhalten praktisch zum Service. Manchmal bekommt man nicht einmal eine Speisekarte. Die Kellner stellen sich dann einfach neben den Tisch und warten ungeduldig, bis man fragt: „Was gibt’s denn heute Feines?“
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„Gnocchi mit Pesto – oder abzischen“, kann die Antwort lauten. Kein Scherz! Ich finde das großartig. So übertrieben grob und unsympathisch, dass es wieder witzig wirkt. Und obwohl es sich um zwei völlig unterschiedliche Orte mit unterschiedlichen Kulturen handelt, ähneln sich Berliner und Genuesen in diesem Punkt.
Und wer braucht schon Bio-Zitronen? Um sie frühmorgens auf nüchternen Magen in lauwarmes Wasser zu pressen? Wie traurig ist das denn? Dann lieber etwas von dem „Gift“ der Schale mittrinken, aber mit einem Grinsen auf den Lippen. Denn, was uns nicht umbringt, macht uns stärker. Um Nietzsches Zitat persönlich zu aktualisieren: Was ruppig ist, macht mich fröhlicher.
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