Das Land Berlin kann erstmals seit Beginn des Krieges auf dem Balkan im März Kriegsflüchtlinge nach Bosnien abschieben. Grund ist, daß der Luftraum über den Balkan freigegeben worden ist und damit auch Sarajevo angeflogen wird. Das bestätigte am Freitag der Sprecher der Innenbehörde, Norbert Schmidt. "Seit wenigen Tagen besteht wieder die Möglichkeit abzuschieben. Das werden wir auch tun", so Schmidt zur "Berliner Zeitung". Nach seinen Angaben müssen vor allem Straftäter und illegal in der Stadt lebende Flüchtlinge damit rechnen, daß die Ausländerpolizei die unfreiwillige Ausreise durchsetzt. Zur Gruppe derjenigen, die Berlin zuerst verlassen sollen, gehören nach Angaben von Schmidt besonders die "Rück-Rückkehrer". Das sind schätzungsweise 200 Bosnier, die als Kriegsflüchtlinge in der Bundeshauptstadt vorübergehend Schutz gesucht hatten, aber nach ihrer Rückkehr nach Bosnien erneut auf illegalem Weg nach Berlin eingereist sind. Für diese Männer und Frauen stellt die Ausländerbehörde auch keine Aufenthaltsduldungen mehr aus. Die meisten von ihnen gelten wegen ungültiger Papiere als illegal. Unterstützung gestrichen"Wir beabsichtigen, die Ihnen erteilte Duldung zu widerrufen", heißt es in einem Schreiben des Landeseinwohneramtes an einen Flüchtling. Gründe, die einer Abschiebung entgegenstehen, seien entfallen, nämlich die "tatsächliche Unmöglichkeit der Abschiebung." Wer der Aufforderung zur freiwilligen Ausreise nicht nachkommt, erhält außerdem in mehreren Bezirken keine Sozialhilfe oder andere Leistungen mehr. Weil es in Bosnien keine Kriegshandlungen mehr gebe, bestehe dort keine Gefahr für Leib und Leben, heißt es in einem anderen Brief an eine Bosnierin. Sozialhilfeleistungen würden daher eingestellt.Bereits am Donnerstag ist eine 51jährige schwer herzkranke Frau von Zivilfahndern in den Räumen der Ausländerbehörde festgenommen worden. Munevera Redzic, deren gesamte Roma-Familie seit mehr als fünf Jahren in Berlin lebt, wollte dort eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Nach Informationen der Anwälte der Familie und der Romani Union ist Munevera Redzic inzwischen im Moabiter Abschiebegewahrsam Kruppstraße. Auch ihrem Sohn Fikret Redzic und der achtjährigen Enkelin Nermina droht die Abschiebung. Fikret Redzic wohnt versteckt bei Freunden und Verwandten.
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