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Berlinale-Eklat: Buschmann droht mit strafrechtlichen Folgen

Die Berlinale ist vorbei – aber nicht der Ärger über antiisraelische Äußerungen bei der Preisverleihung. Bundesjustizminister Marco Buschmann droht nun mit harten Maßnahmen.

Team News Eva Maria Braungart dpa/Eva Maria Braungart
3 Min
Marco Buschmann, Bundesjustizminister

Marco Buschmann, Bundesjustizminister

© M. Popow/imago

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) hat nach dem Eklat um antisemitische Äußerungen bei der Berlinale mit juristischen Konsequenzen gedroht. Das Strafrecht sei gut aufgestellt, um antisemitische Äußerungen zu ahnden, sagte der FDP-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Parole „Free Palestine – From the River to the Sea“ könne etwa als Billigung der im Rahmen der Angriffe der Hamas im Oktober 2023 in Israel begangenen Tötungsdelikte verstanden werden.

„Eine Belohnung und Billigung von Straftaten ist strafbar“, betonte der Minister. Wer Propagandamittel verfassungswidriger und terroristischer Organisationen verbreite oder Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen wie der Hamas verwende, mache sich ebenfalls strafbar. „Die Berlinale hat an diesem Wochenende schweren Schaden genommen, weil dort Antisemitismus viel zu unwidersprochen geblieben ist“, sagte Buschmann. Die strafrechtliche Beurteilung der Vorfälle sei Sache der zuständigen Strafverfolgungsbehörden und Gerichte. Das politische Urteil aber sei für ihn klar: „Antisemitismus ist unerträglich.“

Forderungen nach Waffenstillstand in Gaza bei der Berlinale

Während der Berlinale-Gala am Samstagabend war der Nahostkonflikt mehrfach thematisiert worden. In einer Dankesrede von Filmemacher Ben Russell für eine Auszeichnung war die Rede von einem Genozid. Die Äußerungen stießen anschließend in Politik und Verbänden auf Kritik und Empörung.

Ein Filmteam aus den USA trug demonstrativ Palästinensertücher. Mehrere Jurymitglieder hatten sich zudem Zettel angeheftet, auf denen „Ceasefire now“, also „Waffenstillstand jetzt“ stand.

Ben Russell, Guillaume Cailleau, Servan Decle und Jay Jordan mit dem Preis der Jury von Encounters für den besten Film Direct Action bei der Closing Ceremony mit Preisverleihung auf der Berlinale 2024 entgegen. Sie nutzten ihre Rede, um den Nahost-Krieg zu thematisieren.

Ben Russell, Guillaume Cailleau, Servan Decle und Jay Jordan mit dem Preis der Jury von Encounters für den besten Film Direct Action bei der Closing Ceremony mit Preisverleihung auf der Berlinale 2024 entgegen. Sie nutzten ihre Rede, um den Nahost-Krieg zu thematisieren.

© www.imago-images.de

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Israel wird von Kritikern vorgeworfen, im Kampf gegen die Hamas im Gaza-Streifen einen Genozid (Völkermord) zu begehen. Südafrika hatte eine entsprechende Klage vor dem Internationalen Gerichtshof erhoben. Den Genozid-Vorwurf weisen Israel und auch die deutsche Regierung zurück. Der Begriff Völkermord bezeichnet laut UN-Konvention die Absicht, eine Bevölkerungsgruppe zu zerstören. Israel strebt die Zerschlagung der im Gazastreifen herrschenden Hamas an, nicht jedoch die Zerstörung des palästinensischen Volkes. Israel spricht von Selbstverteidigung nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas und anderer Extremisten am 7. Oktober 2023. Israel hat zugesagt, den Schaden für die Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten. Die hohe Zahl ziviler Opfer im Gaza-Krieg wird aber international kritisiert.

Kai Wegner kritisierte Äußerungen bei der Berlinale

Berlins Kultursenator Joe Chialo kündigte unterdessen eine neue Antidiskriminierungsklausel an. „Es ist wichtig, eine juristische Regelung zu finden, die sicherstellt, dass Hass nicht aus Steuergeldern finanziert wird. Daran arbeiten derzeit vier Senatsverwaltungen unter dem Regierenden Bürgermeister gemeinsam“, sagte er der Zeitung Die Welt.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth kündigte am Montag an, man werde die Vorkommnisse bei der Bären-Verleihung aufarbeiten. Wegner twitterte bereits am Sonntag, dass das, was am Samstag auf der Berlinale vorgefallen sei, eine untragbare Relativierung gewesen sei.

Der Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e. V.“ verfolgte nach eigenen Angaben „mit großer Sorge die Entwicklungen und Reaktionen der diesjährigen Berlinale“. „Wir appellieren an die Kulturverantwortlichen, künftig ein ausgewogeneres Bild zu zeichnen und damit einen Beitrag zum Frieden und zur Verständigung zu leisten. Nur durch eine umfassende Berücksichtigung aller Perspektiven kann ein Beitrag zur Überwindung von Konflikten geleistet werden“, teilte Lea Rosh, die Vorsitzende des Förderkreises, mit.

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