Spracherwerb von Mensch und Tier

Berliner Forscher: Fledermaus-Jungtiere babbeln wie Babys

Fledermaus- und Menschenbabys haben beim Sprechenlernen erstaunlich viel gemein. Das fanden Forscher des Museums für Naturkunde Berlin heraus.

dpa/har Anja Garms
2 Min
Eine Große Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata)

Eine Große Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata)

© Foto: Michael Stifter

Menschenkinder beginnen etwa im Alter von sechs Monaten zu babbeln, also wiederholt einzelne Laute zu erzeugen. Auf diese Weise erlangen sie Kontrolle über ihren Stimmapparat, etwa über die Bewegungen von Zunge, Lippen und Kiefer. Die Phase weist unabhängig von kultureller Herkunft und Muttersprache des Babys gemeinsame Merkmale auf und gilt als Meilenstein in der Sprachentwicklung von Kindern.

Nur von wenigen anderen Säugetieren ist bekannt, dass sie eine ähnliche Phase der Sprachentwicklung durchlaufen. Eines davon ist die Große Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata), die ein reiches Repertoire an Rufen besitzt. Zu den wohl auffälligsten Lauten gehört der Balzgesang der Männchen, dessen Töne zum Teil auch im menschlich hörbaren Bereich liegen. Obwohl die Laute der Fledermaus-Jungtiere bereits als menschenähnliches Babbeln beschrieben wurden, stand eine detaillierte Untersuchung bisher aus.

Diese liefert nun das Team um Ahana Fernandez vom Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin. Die Forscherinnen hatten die Sprachentwicklung während der entscheidenden drei Monate bei insgesamt 20 Jungtieren in ihrem natürlichen Lebensraum in Panama und Costa Rica studiert.

Sie zeichneten die Silben und Lautsequenzen auf und suchten nach grundlegenden Merkmalen des Lauterwerbs. „Das Babbeln der Jungtiere ist ein sehr auffälliges Übungsverhalten, es ist noch in beträchtlicher Entfernung zum Tagesquartiers zu hören, und die einzelnen Babbelsequenzen können bis zu 43 Minuten andauern“, erläutert die Mitautorin Martina Nagy in einer Mitteilung des Museums für Naturkunde.

Die Fledermaus-Jungtiere beginnen demnach etwa im Alter von drei Wochen zu babbeln. Die Phase ist durch acht Merkmale gekennzeichnet, die auch das menschliche Babbeln charakterisieren – etwa die Wiederholung einzelner Silben und die rhythmische Zusammensetzung der Silben. „Es ist faszinierend, so deutliche Parallelen zwischen dem stimmlichen Übungsverhalten zweier vokal lernender Säugetiere zu finden“, sagt die Ko-Autorin Mirjam Knörnschild.

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Oft babbelten die Jungtiere im Beisein ihrer Mütter, ein sozialer Kontext sei aber nicht unbedingt notwendig, berichten die Wissenschaftlerinnen weiter. Obwohl später im Erwachsenenleben nur die Männchen Balzlieder singen, babbeln auch die weiblichen Jungtiere. Vermutlich helfe ihnen das, bei der späteren Balz die Gesänge der Männchen zu bewerten.

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