Deutsche Kunst ist grau und funktional? Julian Daynov widerlegt dieses Klischee seit Jahren in Sachen Mode – jetzt zeigt er es auch in der Kunst, auf der Enter Art Fair in Kopenhagen, die vom 27. bis 30. August geht. Daynov ist Kurator und Gründer von Neudeutsch, einem Talentförderprogramm, das aufstrebende deutschsprachige Kreative auf internationalen Bühnen sichtbar macht.
Was auf der Pitti Uomo in Florenz – einer der weltweit wichtigsten Herrenmodemessen – als kuratorisches Reiseabenteuer begann, ist längst ein eigenständiges Kunstformat geworden. Nun nimmt Daynov 20 Künstlerinnen und Künstler mit nach Kopenhagen – einige davon aus Berlin. Drei von ihnen stellen wir vor.
Körper, Subkultur, Klang: Anna Zimmermann
Anna Zimmermann in ihrem Berliner Atelier – ihre Gemälde tragen die Energie der Stadt direkt in sich.
© Mani Creative
Die gebürtige Berlinerin Anna Zimmermann malt, als würde sie die Stadt direkt auf die Leinwand pressen. Ihre Arbeiten sind geprägt von der rauen Energie der Berliner Subkulturen und einer tiefen Leidenschaft für Musik – von Grunge bis zu zeitgenössischen Subgenres.
Where the Magic happens: das Studio von Anna Zimmermann
© Privat
Ihre Figuren inszenieren sich nicht, sie existieren einfach: in einem offenen Raum, in dem die Grenzen zwischen Körper und Umgebung verschwimmen. Zimmermann denkt dabei weit über die Leinwand hinaus – ihre Werke fließen in Installationen für Modenschauen und multimediale Kontexte ein. Als Künstlerin und Kuratorin in einer Person versteht sie den Ausstellungsraum als Ort des kollektiven Dialogs.
Identität und Erinnerung: Tugyan Cengic
Tugyan Cengic hat nie eine Kunstakademie besucht – und das merkt man seinen Arbeiten an: im besten Sinne. Der in Berlin lebende Künstler türkischer Herkunft verbrachte seine prägenden Jahre in Abuja, Nigeria, bevor er sich die Malerei vollständig autodidaktisch erschloss.
Tugyan Cengic malt gegen den Lärm der Außenwelt – seine Bilder sind eine Suche nach dem, was wirklich bleibt.
© Tugyan Cengic
Seine Gemälde kreisen um eine Frage, die uns alle betrifft: Wer sind wir eigentlich noch, wenn Algorithmen, Trendzyklen und soziale Medien zunehmend vorgeben, was wir fühlen, wollen und liken sollen?
Für Cengic ist Malen eine Art Gegenbewegung dazu – ein Zurückfinden zu dem, was man wirklich erlebt und gefühlt hat, bevor all die äußeren Stimmen dazwischenkamen.
Klarer Blick trotz Unschärfe: der Protagonist im Werk „1994“
© privat
Julian Daynov: „Das Leben ist zu kurz, um Bücher aus reiner Höflichkeit zu Ende zu lesen.“
Desigual x Ottolinger: Berliner Kult-Label zum Kleinpreis
Kunst, die auf der Met Gala getragen wurde: Anna Deller-Yee
Anna Deller-Yee wuchs in Chicago auf, studierte am Royal College of Art in London und wurde anschließend von Francesco Risso persönlich mentoriert, dem Kreativdirektor des italienischen Luxusmodehauses Marni.
Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Malerei, Textil, Skulptur und immersiver Installation – sie erschafft Räume, in denen weibliche Erfahrung, Erinnerung und Transformation greifbar werden.
Zwischen Pinsel und Haute Couture: Anna Deller-Yee verwischt die Grenzen zwischen Kunst und Mode.
© Anna Deller-Yee
Dass sie dabei weit über die Kunstwelt hinaus wahrgenommen wird, zeigt sich darin, dass ihre Kunst auf der diesjährigen Met Gala zu sehen war. Die Influencerin Emma Chamberlain trug ein Mugler-Kleid, das von Deller-Yee gestaltet worden war.
Emma Chamberlain bei der Met Gala 2026 im handbemalten Mugler-Kleid – das Werk von Anna Deller-Yee auf einer der sichtbarsten Bühnen der Modewelt.
© IMAGO
Was der Kurator Julian Daynov mit diesen Künstlern nach Kopenhagen bringt, ist ein Beweis, dass die neue Generation deutscher Kunstschaffender selbstbewusst und vielseitig ist und selbstredend das Zeug dazu hat, die internationale Kunstwelt mit einem neuen Bild Deutschlands zu überraschen – neudeutsch eben.
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