NEUKÖLLN 500 Amateurläufer mehrerer Generationen kamen am Sonnabend in den Britzer Garten am Buckower Damm. Dort fanden die diesjährige Berliner Meisterschaft im Halbmarathon und weitere Läufe statt.Die Sonne schien, aber kraftlos: gerade mal ein Grad über null war es am Sonnabendmittag, als die ersten Läufer in den Britzer Garten kamen. Gegen die Kälte half nur Bewegung: Eine Stunde vor Beginn der diesjährigen Berliner Meisterschaft wurde am Haupteingang schon fleißig gehopst, gehüpft und gelaufen."Ick muß gleich mit Strätsching anfangen", sagte ein Mädchen zu ihrer Mutter und warf ihr den Anorak zu. Dutzende Mütter - und mehr noch Väter - hatten ihren Nachwuchs begleitet.Der Volkslauf war der traditionelle Berliner Halbmarathon. Dieses Mal fand er am Buckower Damm statt und war ein halbes Jahr lang von den Neuköllner Sportfreunden 1907 e. V. vorbereitet worden.Vor der 22-Kilometer-Strecke wurde zu kürzeren Läufen gestartet. 1,4 Kilometer war die kürzeste Strecke, an der auch die Jüngsten teilnahmen. Schnell flitzten noch Ordner mit roten Fähnchen in den Hochspannungsweg, andere orientierten sich an Karten oder testeten die Uhren.Um 13.15 Uhr fiel der erste Startschuß. Und nach sechseinhalb Minuten traf die Siegerin im benachbarten Stadion ein: Susanne Wolf. Zweimal trainiert die Elfjährige jede Woche, ist regelmäßig bei Wettkämpfen dabei. "Die Kleine will ich ganz nach oben bringen", erklärte ihr Vater stolz. Er selbst war lange Jahre Leistungssportler. "Die Ohren tun mir weh", war dazu der einzige Kommentar der Tochter.Die Zuschauer geizten nicht mit Applaus, auch für das kleinste Kind, das müde, aber tapfer als letztes eintraf: die fünfjährige Klara Bachmann. Sie hatte ihren Bruder begleitet, der bei den Jungen gewann."Was ist denn hier los, sind ja so viele Kinder da, trotz Kälte, toll", wunderte sich eine ältere Spaziergängerin. Ein schmaler, blasser Junge in kurzen Hosen: "Och, die Kälte spürt man irgendwann nicht mehr."Ruhig schlenderte ein Mann im blauen Trainingsanzug über den Platz am Haupteingang. Der 34jährige hat schon Hunderte Rennen hinter sich. Es war der frühere DDR-Spitzenläufer Michael Heilmann, in den 80er Jahren Europacupsieger und vierter im Weltcup im Marathon. Noch jetzt läuft er eine der schnellsten Zeiten in Deutschland."Ich laufe nur so mit, doch für die Kinder ist das hier sehr wichtig." Ihn freut, daß sich wieder mehr Leute als in den vergangenen Jahren ehrenamtlich um den Laufsport kümmern und Kinder trainieren.Dutzende Männer und Frauen warteten schon ungeduldig am Start zu den 22 Kilometern. Sie spendeten den letzten Läufern vor ihnen herzlichen Beifall, besonders den Kindern einer Schule für geistig Behinderte. Obwohl diese wissen, daß sie nicht gewinnen können, strampelten sie sich zehn Kilometer ab."Na klar loofe ick, macht doch Spaß und tut mir jut", begründete ein 67jähriger, warum er sich zur Stunde nicht auf die faule Haut legt. Vor sieben Jahren hatte ihm ein Arzt den Sport empfohlen. Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, dachte hingegen an schönere Beine.Thomas Völzke von den Neuköllner Sportfreunden hatte keinen leichten Tag. Nun erklärte er den frierenden, aber frohgelaunten Läufern: "Die Startpistole macht die Kälte nicht mehr mit, aufgepaßt, jetzt pfeife ich." - Das Laufen jedenfalls klappte bestens, und wie von den Organisatoren zu hören war, sogar zu beachtlich guten Zeiten. +++
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