Was für ein eindringliches Video! Kinder spielen Krieg. Zu sehen im Clip zur neuen K.I.Z-Single „Frieden“. Panzer aus Pappe, Gewehre aus Plaste. Pappmaché-Kampfjets. Kindergartenkinder, die sich kriegsbemalen, „im Spaß“ aufeinander losdreschen und bei süßem Milchzahn-Lächeln ihre Lippen synchron bewegen zu den Rap-Texten von Maxim, Tarik und Nico, zu hören aus dem Off. Und die haben es in sich.
Mit K.I.Z-typischer bissiger Ironie heißt es etwa in der Hook: „Na klar sind wir für Frieden, doch erst müssen wir gewinn’n.“ Der Text des „Friedens“-Liedes schwingt sich auf zu immer stärker vorgetragener Kritik an Pazifismus und an Diplomatie: „Wir knöpfen dich auf / wenn du feige Sau verhandelst / Fick ma’ nicht mein’n Kopf und versuch, Feinde zu versteh’n.“ Nicht nur durch die hyper-schroffe Vortragsweise dieser hardcore-martialischen Position wird im Kontext des Liedes allerdings klar: K.I.Z wollen die von ihnen per Rap-Flow vorgetragene Kriegstreiberei vorführen; sie wollen sie als geradezu anti-humanistisch entlarven. Verstärkt wird der Effekt dadurch, dass das Ballern für den Frieden im Musikvideo schon den Kindern selbstverständlich scheint.
„Mixed Feelings für die Nato“
Ein Statement der Band zur Single existiert bislang nicht. Aber wahrscheinlich ist der Song auch einfach Statement genug. Konkret wird es am Anfang des Liedes, als Maxim von seinen „Mixed Feelings für die Nato“ rappt. Historisch nimmt er dabei Bezug auf 9/11 und den Irakkrieg – für den die USA damals vor den Vereinten Nationen gefälschte Beweise angeblicher Massenvernichtungswaffen vorlegten, um ihren Krieg zu legitimieren.
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Tareks Zeile „Bruder, wir retten Europa und du Pussy gehst zur Seite“ erinnert an europäische Kriegsrhetorik nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022. „Los, nehmt meine Steuern, denn wir brauchen neue Kampfjets“ lässt sich gut auf die 100 Milliarden Euro beziehen, die die Bundesregierung umgehend der Bundeswehr zusagte – „für unsere Sicherheit“. Auch ein Verweis auf die (in der Ukraine eingesetzten) deutschen Leopard-Panzer fehlt nicht.
„Frieden“ lässt gleichwohl viel Raum für Interpretationen: Vieles darin kann man auf Russland und die Ukraine, aber auch auf Israel und Palästina beziehen. Oder auf die anderen Kriege weltweit, von denen deutlich weniger berichtet wird. Letztlich kommen die Kriegstreiber auf beiden Seiten in dem Song nicht gut weg. So ist „Frieden“ womöglich bald schon das neue Berliner „Give Peace A Chance“.
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