Berlin gilt oft als Ort der großen Freiheit. Doch stimmt das überhaupt? Filmemacher und Dragqueen Tim Lienhard hat auch andere Erfahrungen gemacht, abseits von seinen Lieblingsclubs wie KitKat und Berghain: In Berlin wurde er schon auf offener Straße geschlagen. In Drag-Montur steigt er lieber nicht in Öffis. Taxifahrer weigern sich, ihn mitzunehmen. In Spanien, speziell auf Gran Canaria, sei man sehr viel toleranter, sagt Lienhard. Nicht zuletzt deshalb hat er einen Film über die Insel, ihre Queers und auch sich selbst gedreht: „Wenn nichts mehr geht, dann Gran Canaria“.
Herr Lienhard, bei Drag denken viele an Lipsync-Performances von Männern, die sich als ultrafeminine Frauen aufdonnern. Sie sind da ein anderer, vielleicht ein neuer Typus Dragqueen, oder?
Mein Look ist einzigartig. Er hat nichts mit Drag-Performance zu tun, sondern mit Clubkultur. Besonders exaltierte Wesen meiner Generation nannten sich Ende der 80er-Jahre „Clubkids“. Das waren junge Kreative, die sich fantasievoll gestylt haben, nicht um auf eine Bühne zu gehen, sondern um als „Walking Acts“ den ganzen Club zur Bühne zu machen. Leigh Bowery war der Berühmteste von ihnen. Ihm widmet gerade eines der bedeutendsten Museen der Welt – die Tate Modern London – eine eigene Ausstellung. Ich habe Filmausschnitte mit ihm in meinem Film, die ich kurz vor seinem Tod Ende der 90er-Jahre gedreht habe. Ich sehe mich in der Tradition von ihm und nicht als missglückter Versuch, „RuPaul’s Drag Race“ nachzueifern.
LGBT
Berliner Regisseur Tim Lienhard: „Mein Film ist fern von woker Moralisierung“
Tim Lienhard liebt es, in Drag zu performen. Sein neuester Film „Wenn nichts mehr geht, dann Gran Canaria“ handelt von Queers auf der Insel. Ist Gran Canaria das bessere Berlin?
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Mittig: Tim Lienhard in Drag, umgarnt von schaulustigen Fans auf Gran Canaria.
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