BERLINER SPAZIERGÄNGE, TEIL 5: "Geteilte Stadt: West-Berlin" - ein Besuch in der Deutschen Oper Berlin sowie ein Spaziergang durch Charlottenburg und Kreuzberg / Exklusive Führung für Leser zu gewinnen.

"Was gekürzt wird, kommt nicht wieder"

Kirsten Niemann
3 Min

Der Tenor Peter Maus arbeitet seit 1974 an der Deutschen Oper, am 2. Juli 2001 wurde er zum Berliner Kammersänger ernannt. Ein Gespräch mit dem langjährigen Ensemblemitglied über die Rolle der Deutschen Oper Berlin im alten West-Berlin.Herr Maus, welche Stimmung herrschte an der Deutschen Oper als Sie 1974 ankamen?Ich war 24 Jahre alt und das Haus genoss einen außerordentlichen Ruf. Der Gustav Rudolf Seefehlner war gerade Intendant, auf dem Flur begegnete ich Leuten wie Jesse Norman, René Kollo. Das waren Menschen, deren Namen ich sonst in den Plattenläden fand. Das war schon faszinierend.Welche Bedeutung hatte die Deutsche Oper damals für West-Berlin?Durch die Insellage und dadurch, dass wir keine unmittelbare Konkurrenz hatten, standen wir direkt im Fokus der Öffentlichkeit. Zudem spielte hier ein Ensemble auf hohem Niveau, wir hatten ein Programm mit vielen Highlights - dieses Spannungsverhältnis brachte natürlich Schwung in die Belegschaft.Haben Sie auch die Opernhäuser im Ostteil der Stadt besucht?In den 15 Jahren bis zum Mauerfall war ich etwa fünf bis sechs Mal im Jahr drüben - und habe dort ganz hervorragende Inszenierungen gesehen. Wir haben jedoch die Opernhäuser unter den Linden nie als Konkurrenz wahrgenommen.Weshalb nicht?Die Deutsche Oper verstand sich als ein Gegenentwurf zu den feudalen Bauten im Osten der Stadt. Sie wollte vielmehr ein Bürgerhaus sein. Schon allein das architektonische Programm machte das deutlich: beste Sicht und Akustik auf allen 1 900 Plätzen.Die Deutsche Oper Berlin stand in den Jahren bis zum Mauerfall für West-Berliner Kultur. Das muss sie nun nicht mehr. Wofür steht sie heute?Wir sind heute kein Gegenpol mehr zu den Theatern im Osten Berlins - aber durchaus eine Alternative. Allein schon durch die Struktur unseres Hauses und durch seine Optik.West-Berlin verschwindet scheinbar immer mehr aus dem Interesse der Öffentlichkeit. Kulturinstitutionen werden geschlossen und der Kudamm ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Fürchten Sie diese Entwicklung?Ich halte es für wichtig, dass das, was man hier erlebt hat, auch erhalten bleibt. Natürlich war die Kulturlandschaft im Osten bestechend: Man denke an das Berliner Ensemble, das Deutsche Theater, die Volksbühne, die Museumsinsel. Nun ist alles glücklicherweise Eins. Dennoch ist es so, dass die Menschen im alten West-Berlin Gefühle hegen für ihre eigenen Einrichtungen. Ich rate zur Vorsicht im Hinblick auf die Schließungen. Was erst einmal weggekürzt wurde, kommt nicht mehr wieder.Interview: Kirsten Niemann------------------------------Foto: Peter Maus, Berliner Kammersänger

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