Berliner Stadtreinigung nahm am Sonnabend die Schwanebecker Deponiegas-Anlage in Betrieb

Aus dem Hausmüll wird Strom für 30 000 Menschen

Michael Dörschel
3 Min

SCHWANEBECK. Elektroenergie wird künftig direkt neben der Mülldeponie in Schwanebeck (Barnim) erzeugt. Denn am Sonnabend ging hier eine der modernsten und größten Deponiegasverwertungsanlagen Europas in Betrieb. Gebaut hat sie in den vergangenen zwei Jahren die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR). Für die computergesteuerte Anlage wurden rund 20 Millionen Mark investiert."Mit dieser Anlage schützen wir die Umwelt, tun etwas gegen den Treibhauseffekt", sagte Matthias Fink, der für ihren Betrieb verantwortlich ist. Gleichzeitig werde der Hausmüll damit von der BSR erstmals wirtschaftlich verwertet. Denn in der Deponie wird durch den Zersetzungsprozess des Abfalls vor allem Methan und Kohlendioxyd erzeugt. Beide gehören zu den berüchtigten Gasen, die für den Treibhauseffekt verantwortlich sind. Methan ist aber auch ein wertvoller Energieträger. Pro Stunde fallen etwa 3 000 Kubikmeter Deponiegas an. Es wird von 117 Brunnen aus der Deponie herauszogen und durch eine unterirdische Ringleitung zur Verwertungsanlage geleitet.Die Brunnen sind sechs bis 24 Meter tief, im Abstand von 70 Metern über die gesamte Deponie verteilt und können so jeden Winkel des Abfallberges entgasen. Das Deponiegas treibt insgesamt sechs Motoren mit insgesamt 6 800 PS an. Jeder Motor ist mit einem Generator verbunden, der die mechanische Leistung in elektrische Energie umwandelt. Insgesamt werden so in einer Stunde rund 5 000 Kilowatt erzeugt.Warme Stuben in BuchDer Strom wird überwiegend in das Netz der e.dis Energie Nord AG eingespeist, der andere Teil zum Eigenbedarf auf der Deponie genutzt. Mit der Elektroenergie kann nach den Worten von Fink der jährliche Bedarf von etwa 8 000 Einfamilienhäusern - oder von 30 000 Menschen - gedeckt werden. "Da wir 13 Pfennige pro Kilowattstunde für die erneuerbare Energie bekommen, werden wir in vier bis fünf Jahren Gewinn machen", sagt der Betriebsleiter. Das Neue an der Anlage von Schwanebeck ist, dass auch die Wärme, die bei der Erzeugung von Elektroenergie anfällt, genutzt wird. Sie wird über eine 3,5 Kilometer lange Leitung ins Heizkraftwerk nach Berlin-Buch transportiert und versorgt dort Wohnungen und das Klinikum mit Wärme. "Damit können Erdgas und Heizöl in beträchtlichem Maße eingespart werden", sagt Fink. Nach seinen Angaben kann die Anlage etwa zehn bis 15 Jahre mit maximaler Leistung gefahren werden. Dann nimmt der Zersetzungsprozess des Abfalls ab und damit fällt weniger Deponiegas an.Auch für die beiden anderen Deponien der BSR - in Wernsdorf (Oder-Spree) und Schöneicher Plan - sind solche Anlagen vorgesehen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner