Herr Parzinger, als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden Sie der Hauptnutzer des künftigen Schlosses sein. Was sagen Sie zum Vorwurf der Verfahrensfehler beim Architekturwettbewerb?Das hat mich sehr überrascht. Die Jury-Mitglieder und wir als Nutzer müssen darauf vertrauen können, dass der Herr des Verfahrens, also das Bundesbauministerium, auf die Einhaltung der nötigen Zulassungsvoraussetzungen achtet. Ich kann nur sagen, dass wir mit Franco Stella einen Architekten haben, der unsere Anliegen versteht.An welchem Punkt der Zusammenarbeit mit ihm stehen Sie?Die Arbeit hat ja längst begonnen. Wir haben in sehr dichter Folge regelmäßig Sitzungen. Die Museumsleute haben ihre Vorstellungen für die künftige Präsentation der außereuropäischen Sammlungen, die sich bislang noch in Dahlem befinden, formuliert. Ebenso die Partner: die Zentral- und Landesbibliothek, die Humboldt-Universität. Auch das Haus der Kulturen der Welt wird zu Rate gezogen. Je nachdem, welcher Bereich gerade besprochen werden soll, sitzen wir in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. Stella stellt den jeweils neuen Planungsstand vor, und dann diskutieren wir ihn.Als Architekt derartiger Großplanungen hat Franco Stella überhaupt keine Erfahrungen. Er war bis zu der Juryentscheidung ein nahezu Unbekannter. Welchen Eindruck haben Sie von seiner Arbeit?Vielleicht ist es ja ein Glück für uns, dass er kein Star ist. Mit Franco Stella kann man sehr angenehm, harmonisch und sachbezogen zusammenarbeiten. Wir mussten an einigen Stellen seinen Entwurf weiterentwickeln, damit es zu einer besseren Integration der verschiedenen Nutzungsbereiche kommen kann. Nach einigen Diskussionen hat er unsere Anliegen verstanden und danach sehr gute Lösungen präsentiert. Diese Fähigkeit zur konstruktiven Zusammenarbeit schätze ich sehr an ihm.Wie weit sind die inhaltlichen Überlegungen und Konzepte zur Gestaltung des Humboldt-Forums gediehen? Die außereuropäische traditionelle Kunst aus Dahlem soll ins Schloss, eine Bibliothek, eine sogenannte Agora. Was kann man sich darunter vorstellen? Das Schloss als Weltkunstmuseum mit angeschlossenem Debattierclub?Eben nicht, dann wäre es gescheitert. Die Bereiche sollen nicht einfach additiv nebeneinander stehen, sondern müssen in einem integrativen Konzept zusammenfinden. Im Laufe der Planungsarbeit wurde immer deutlicher, dass es wichtig ist, für den Bereich der Agora entsprechende Kompetenzen einzubinden, wie sie zum Beispiel im Haus der Kulturen der Welt vorhanden sind. Dies geschieht jetzt. Die Agora wird das Herzstück des Humboldt-Forums sein, von dort aus muss die Verknüpfungsarbeit geleistet werden. Sicher sollte man sich bald überlegen, wie sich das Haus der Kulturen der Welt zum Humboldt-Forum verhalten kann: Soll es die Agora bespielen und dorthin umziehen, oder werden beide Standorte betrieben, dann aber idealerweise unter einer Leitung. Wir jedenfalls beziehen das Haus der Kulturen der Welt in die Feinplanung der Architektur ein.So weit sind Sie schon?Ja sicher. Wir veranstalten Nutzerworkshops, und da geht es auch um viele Details wie Saalgrößen, Bühnenhöhen, Präsentationsformen und so weiter. Dafür brauchen wir entsprechendes Know-how. Die Agora hat das Potenzial, quasi die Schlagzahl vorzugeben, Themen aufzugreifen, die sich auf das ganze Humboldt-Forum auswirken können.Das Gespräch führte Harald Jähner.------------------------------Foto: Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin
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