JAN THOMSEN möchte mehr erreichen - als nur die revidierte Abschiebung einer Kurdin.Der Fall Nasima El-Zein (alias Nesrin Tekin) bietet wenig Grund zum Jubeln. Die junge Frau - Kurdin von Geburt, aber seit 14 Jahren in Deutschland, also Deutsche - darf Monate nach der Abschiebung in die ihr fremde Türkei wieder nach Berlin, in ihre Heimat. Das ist gut. Aber es reicht nicht, denn es gibt viele Nasimas - und eine Lösung im Einzelfall nützt wenig.Nasima El-Zein ist wahrlich keine idealtypisch integrierte, aber eine unbescholtene Frau. Ihre Abschiebung mag rechtmäßig gewesen sein, aber gerechtfertigt war sie nicht: Wenn es stimmt, dass ihre Eltern die deutschen Behörden betrogen haben, als sie unter falscher Identität einreisten - warum muss die damals Achtjährige die Folgen tragen? Es ist nichts als Sippenhaftung, sie mit dieser Begründung abzuschieben. Da kann sie noch so sehr von Sozialleistungen profitiert, sich der "mittelbaren Urkundenfälschung" schuldig gemacht haben, wie derselbe Senator, der ihre Einreise jetzt ermöglicht, nicht müde wird zu wiederholen. Auch das Argument, sie sei erwachsen und daher seit ihrem 18. Geburtstag eine vorsätzliche Betrügerin, die sich den deutschen Behörden hätte erklären müssen, kann nicht ernst gemeint sein. Vor jedem Richter hätte Nasima das Recht, weder ihre Eltern noch sich zu belasten. Warum sollten wir also erwarten dürfen, dass sie dies als geduldete "Ausländerin" freiwillig tut?Für Fälle wie Nasima, für die Kinder potenziell oder tatsächlich Illegaler, gibt es hierzulande keine brauchbare Lösung. Dabei haben sie allesamt eine faire Chance verdient. Denn Nasima ist nicht nur die Tochter ihrer Eltern, sie ist auch eine Tochter Berlins.
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