Zahnärzte-Versorgungswerk

Berliner Zahnärztekammer: 230 Millionen Euro veruntreut – Ermittlungen gegen 18 Beschuldigte

Sonderprüfer beziffern den mutmaßlichen Gesamtschaden auf über eine Milliarde Euro. Tausenden Zahnärzten drohen Rentenkürzungen.

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Die Generalstaatsanwaltschaft geht gegen das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) vor.

Die Generalstaatsanwaltschaft geht gegen das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) vor.

© Sebastian Gollnow/dpa

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin geht mit weiteren Schritten gegen frühere Gremienmitglieder und Führungskräfte des Versorgungswerks der Berliner Zahnärztekammer (VZB) vor. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf einen Durchsuchungsbeschluss berichtete, erwirkten die Ermittler Mitte Juni bei einer Richterin am Amtsgericht Tiergarten die Erlaubnis, zahlreiche E-Mail-Postfächer der Rentenkasse auszuwerten. Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen 18 Beschuldigte, die zusammen mehr als 230 Millionen Euro veruntreut haben sollen.

Bei den Beschuldigten handelt es sich laut Bericht um frühere Mitglieder des Verwaltungs- und des Aufsichtsausschusses sowie um Angestellte des VZB. Sie sollen riskante Investments freigegeben oder nicht ausreichend geprüft haben. Im Fokus stehen der frühere Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Ingo Bora Rellermeier, sowie der ehemalige VZB-Direktor Ralf Wohltmann. Rellermeiers Anwalt wies Vorwürfe strafbaren oder pflichtwidrigen Verhaltens laut Handelsblatt zurück und verwies auf die Unschuldsvermutung. Wohltmanns Verteidiger habe auf Anfragen nicht reagiert.

Milliardenschaden und drohende Rentenkürzungen

Sonderprüfer beziffern den mutmaßlichen Gesamtschaden dem Bericht zufolge inzwischen auf mehr als eine Milliarde Euro – fast die Hälfte des früheren Vermögens. Rund 11.000 Zahnärzten in Berlin, Brandenburg und Bremen drohen demnach Kürzungen bei Renten und Anwartschaften. Der neue Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Thomas Schieritz, sagte dem Handelsblatt bereits im Mai: „Es wird empfindlich werden.“ Frühere Verantwortliche hätten das VZB in komplizierten Verträgen regelrecht „gefesselt und geknebelt“.

Hotelgruppe, Recyclingfirma und Versicherungs-Start-up

Der finanziell schwerste Untreuekomplex betrifft laut Durchsuchungsbeschluss die 12.18. Investment Management GmbH, einen Betreiber und Entwickler touristischer Immobilien. Ab 2015 habe das VZB rund 200 Millionen Euro in Projekte der Gruppe investiert, obwohl diese bereits vor den wesentlichen Darlehensvergaben bilanziell überschuldet gewesen sein soll. Ab April 2021 sollen unbesicherte und nachrangige Darlehen von rund 86,5 Millionen Euro geflossen sein – nach Einschätzung der Ermittler ein Verstoß gegen die Anlageverordnung des VZB.

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Weitere Vorwürfe betreffen die kalifornische Recyclingfirma rPlanet Earth, in die zwischen April 2021 und 2025 rund 70 Millionen Euro geflossen sein sollen, obwohl das VZB bereits 2020 Rückstellungen für drohende Verluste gebildet habe. In einer internen Mail vom 5. Februar 2024 soll Rellermeier das Investment als „Desaster“ und „Millionengrab“ bezeichnet haben, wie das Handelsblatt unter Berufung auf ein ihm vorliegendes Schreiben berichtete. Rellermeiers Anwalt erklärte dem Blatt, einzelne Begriffe erlaubten keine verlässliche Einordnung.

Zu den weiteren beanstandeten Investments zählen laut Bericht eine Beteiligung von 51,1 Millionen Euro am Berliner Versicherungs-Start-up Element Insurance, das Ende 2024 insolvent ging, Darlehen an die Engel & Völkers Capital AG sowie Wandeldarlehen über 17,6 Millionen Euro an eine Logistikfirma. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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