Berlinerinnen zeigen in diesem Winter Bein, die Herren tragen Zipfelmützen - die Trends der Saison

Warm, aber sexy

Thorkit Treichel
4 Min

Mit diesem Mantel kann selbst die verfrorenste Frau bei minus 20 Grad eine Grillparty im Garten feiern. Kuschelig weich und sehr warm. "Das ist Baby-Lamm aus Neuseeland", sagt Sylvia Wolter, Verkäuferin im KaDeWe. Weit über 30 Minischafe seien in dem knöchellangen Mantel verarbeitet worden. Das erklärt den Preis von 2 400 Euro für das Stück. "Wir verkaufen schon die zweite Lieferung", sagt die Verkäuferin. Denn obwohl im Lichthof des Warenhauses am Wittenbergplatz bereits luftige Sommerkleidchen flattern, werden in diesen Tagen vor allem warme Sachen gekauft. Jetzt heißt es, durch den Winter zu kommen - und möglichst gut dabei auszusehen.Manche Herren beweisen in diesem Winter merkwürdige modische Vorlieben: Zipfelmützen sind für Zwerge gedacht, aber nicht für echte Kerle! "Die sind schon Geschmackssache", sagt Verkäuferin Josefine Meier. "Aber sie sind in dieser Saison sehr gefragt. Ebenso wie Bommelmützen." Ganz niedlich auch: Doppelhandschuhe für Pärchen zur gemeinsamen Nutzung. Außerdem, sagt die Verkäuferin, setze sich im Winter immer mehr die Sonnenbrille als modisches Accessoire durch.Eine Kundin erkundigt sich bei der jungen Verkäuferin nach Stirnbändern für Herren, ein ebenfalls beliebter Kälteschutz in diesem Winter. Und auch der Hut erlebt eine Renaissance. Einige Männer im KaDeWe tragen Cowboyhüte oder klassische Herrenhüte. Eine Kundin, ansonsten salopp gekleidet, hat ein elegantes, schwarzes Modell mit Krempe gewählt - und sieht irgendwie ein bisschen albern aus. Aber auch etwas Neues gibt es: Ohrenwärmer ohne Bügel für 13 Euro das Paar. "Die werden nur auf das Ohr gedrückt. Kein Bügel kann die Frisur mehr zerstören", erläutert die Verkäuferin die Vorteile. Darauf legt die italienische Touristin, die mit ihrem Begleiter dick vermummt das Kaufhaus betritt, offensichtlich keinen Wert. Nur die Augen sind von den Beiden zu sehen. Vielleicht hätten sie sich eine andere Jahreszeit für ihren Berlin-Besuch aussuchen sollen.Viele Berlinerinnen zeigen in diesem Winter Figur. Sie greifen zum kurzen Rock und halten sich mit Moonboots oder flachen, mit Lammfell gefütterten Stiefeln, aber auch mit dicken, wollenen Strumpfhosen warm. "Gemusterte Strumpfhosen sind der Trend dieser Saison", sagt Josefine Meier. Wem trotzdem kalt ist, der kann zu einem der Glühweinstände am Wittenbergplatz gehen. In diesem Jahr wird Glühwein mit einem Schuss Amaretto angeboten. Aber Vorsicht: Erst wird einem warm und dann umso kälter.------------------------------Tatjana Babikov ist strenge Winter gewohnt. Aus ihrer alten russischen Heimat und aus ihrer neuen in Kanada. In Toronto sind Temperaturen von 30 Grad minus nichts Ungewöhnliches. "Doch von der Kälte merke ich nicht viel. Ich sitze nur im Auto oder halte mich in Einkaufszentren auf." Daher müsse sie sich auch nicht warm anziehen. Die Berlin-Touristin trägt Leopardenmantel und -hut, einen schwarz-weiß gestreiften Schal und spitze Stiefel. "So ziehe ich mich in Toronto auch an", sagt sie und verschwindet mit ihren Kindern im Sightseeing-Bus.Sandra Bähr kehrte vor knapp zwei Wochen von einem einjährigen Australien-Aufenthalt zurück und seitdem friert die 26-Jährige nur noch. "Mir wird überhaupt nicht mehr warm", sagt sie. "Ich wäre besser im Sommer wiedergekommen." Allerdings ist die junge Pädagogin auch nicht besonders warm angezogen, dafür umso flotter. Zu blau-weißer Jacke und Rock trägt sie einen weißen Schal, blaue Stiefel - und eine quietschgrüne Mütze. "Das ist die schöne DDR-Mütze meiner Mutti. Die ist bestimmt schon 30 Jahre alt", sagt sie.Etienne Essengue lebt seit fast 40 Jahren in Berlin, aber ein Freund der kalten Jahreszeit ist der gebürtige Kameruner immer noch nicht. Er trägt zwei Mützen übereinander und eine dicke Jacke. "In dieser Ausrüstung friere ich nicht, aber lieber verbringe ich den Winter in der warmen Wohnung", sagt er.------------------------------KÄLTESCHUTZFoto: Sandra Bähr kehrte gerade aus Australien zurück. Sie ist die Kälte nicht gewöhnt. Besonders warm ist sie nicht angezogen, dafür umso flotter.Foto: Tatjana Babikov trägt Pelz in Leopardenoptik. In ihrem Heimatort Toronto in Kanada sind Temperaturen von 30 Grad minus nichts Ungewöhnliches.Foto: Etienne Essengue kommt aus Kamerun und geht auf Nummer sicher: Er trägt zwei Mützen übereinander und eine dicke Jacke.Foto: Die Trends der Saison sind warm, aber niedlich: Ohrenwärmer ohne Bügel, Mützen und Handschuhe mit Herzchen sowie Kombinationen aus Mütze und Hut.

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