Vom feudalen Park bis zur Laubenkolonie: Berlin war immer auch eine Gartenstadt. Überall öffnen sich grüne Nischen, lohnen sich Blicke über den Zaun.Auf dieser Seite möchten wir die Berliner Gartengeschichte anhand von drei exemplarischen Episoden vergegenwärtigen: Das kunstvolle Schaffen der Hofgärtner und das im vergangenen April eröffnete Hofgärtnermuseum. Die blühenden Inspirationsquellen in den Künstlergärten von Hannah Höch und Max Liebermann. Die überraschend freisinnigen Gärten der Herta Hammerbach, einer Landschaftsgestalterin der klassischen Moderne.------------------------------Die Gärten der Preußen - Das Hofgärtnermuseum im Schloss Glienicke: Melonen für Monarchen, Ananas als Gaumenschmeichler der Aristokratie. Solch "süße Früchte", die ein deutscher Schlager der Fünfziger Jahre "nur den großen Tieren" zugestanden hat, wuchsen im 18. Jahrhundert im märkischen Sand. Möglich gemacht hatten dies die hohen Tiere selbst - vor allem aber ihre Hofgärtner. Denn kaum ein König oder Fürst war von sich aus um einen Grünen Daumen bemüht. Hermann Fürst von Pückler Muskau, der Gourmet, Schriftsteller und Gartenarchitekt, einmal ausgenommen.Ansonsten oblag die Gestaltung und Pflege der raumgreifenden Parkanlagen jenem Berufsstand, dem nun im Schloss Glienicke ein Museum gewidmet ist. Die europaweit erste Ausstellung übrigens, die sich monothematisch mit der Hofgärtnerei beschäftigt. Einen sinnigeren Ort hätte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg nicht finden können: inmitten der von Peter Josef Lenné gestalteten Parkanlage.Die Ausstellung selbst lenkt den Blick derweil vom Garten auf die Gärtner. Zeigt das vergleichsweise exklusive Leben einer privilegierten Schicht unter den höfischen Angestellten. Erzählt von den Lehr- und Reisejahren: "Was aber ein rechtschaffender Gärtner seyn will, der muss seine Kunst vorher in einem Chur- oder Fürstlichen Garten recht und wohl lernen, wenn's möglich ist, so muss er fremde Länder als Holland, Frankreich, Italien und dergleichen fein durchreisen, daselbst die schönsten Gärten fein in Augenschein nehmen."Von ihren Reisen importierten die Hofgärtner Moden in der Gartengestaltung und schulten sich in der Zucht von Zier- und Obstgewächsen. Exotisches Luxusholz kam auf diesem Wege etwa nach Sanssouci oder in den Schlosspark Glienicke.Das Hofgärtnermuseum im Schloss Glienicke, Königsstr. 36, Zehlendorf, ist von April bis Oktober samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Tel. 0331/969 42 00.Die Gärten der Künstler - Hannah Höch und Max Liebermann: Auf den ersten Blick symbolisieren beide Künstler nicht unbedingt den intimen, der Welt abgewandten Rückzug in den privaten Garten. Max Liebermann (1847-1935), dessen (rekonstruiertes) Stadthaus mitten im Zentrum der Metropole auf dem Pariser Platz steht. Und Hannah Höch (1889-1978), die als Mitbegründerin des Dada zu den Protagonisten einer urbanen, pulsierenden Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts gehörte. Die Dadaisten ließen sich von Zeitungsmeldungen und Leuchtreklamen zu ihren Readymades und Collagen inspirieren. Sollten doch die Impressionisten weiter Rosenbüsche malen.Und doch gehört der Garten der Hannah Höch wahrscheinlich zu den impressionistischsten Orten Berlins. In Heiligensee, weitab vom Puls der Großstadt, hatte sich die Künstlerin 1939 ihr Rückzugsareal geschaffen - auch, um sich den kontrollierenden Blicken der Nationalsozialisten zu entziehen. Ihren noch im selben Jahr angelegten Garten beschrieb sie einmal wie folgt: "Er bringt so viel Schönheit, so viel differenzierte Farben und Formen, Zartheit und rauscherzeugende Genüsse hervor, dass er meinen Hunger nach dem Vollendeten, dem Großen, dem Einmaligen stillt."In gewisser Weise spiegelt Hannah Höchs Garten ihre künstlerische Überzeugungen: Auch er gleicht einer Montage. Motive aus französischen oder englischen Gärten treffen auf Elemente des Bauerngartens. Repräsentative Rosenbeete korrespondieren auf kleinem Raum mit schattigen Laubengängen, Obstbäumen und Gemüsebeeten.Max Liebermanns Garten kennt man vor allem von seinen Bildern. Auf seinem 1909 erworbenen Ufergrundstück am Großen Wannsee entstand ein ganzer Werkzyklus, der in seiner Verbundenheit mit dem unmittelbaren Lebensraum des Künstlers etwa mit den Arbeiten Carl Larsons zu vergleichen ist. Denn in beiden Fällen stellt sich die Frage: Ist der Garten zum Motiv der künstlerischen Arbeit geworden? Oder waren es die Bilder im Kopf des Künstlers, nach denen wiederum der Garten entstanden ist?Obwohl mit dem Berliner Gartendirektor Alfred Brodersen ein geschulter Landschaftsgestalter an der Planung des Gartens beteiligt war, stammten doch viele Inspirationen von Liebermann selbst. Auf Reisen nach Holland und Hamburg hatte er sich von der Idee des Englischen Gartens gelöst, von dem er einzig das Konzept der Blickachsen und Raumbezüge beibehält. Von weißen Gartenbänken aus konnten so Besucher die Perspektiven seiner Bilder nacherleben. In den vergangenen Jahren wurde die von Spalierhecken und rhythmischen Birkenreihen geprägte Anlage denkmalgerecht wiederhergestellt.Der Garten von Hannah Höch, An der Wildbahn 33, Heiligensee, ist nach telefonischer Rücksprache mit seinem heutigen Bewohner Johannes Bauersachs zu besichtigen. Tel. 431 48 24. Garten und Landhaus von Max Liebermann, Colomierstr. 3, Zehlendorf, sind von April bis Oktober täglich außer dienstags von 11-18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Tel. 80 58 38 30.Die Gärten der Moderne - die Landschaftarchitektin Herta Hammerbacher: Exklusiver hätte der Ort ihrer Lehrjahre kaum sein können: Die Ausbildung zur Gärtnerin absolvierte Herta Hammerbacher (1900-1985) von 1917 an in den Parkanlagen von Sanssouci. Eine Reise in die Geschichte der Gartenkunst für eine Frau, die später die Gärten der klassischen Moderne gestalten sollte. Und die als Landschaftsplanerin 1962 zur ersten ordentlichen Professorin der Technischen Universität werden sollte.Gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Hermann Mattern gestaltete sie 1934 den Garten des von Hans Scharoun entworfenen Haus Baensch über dem Wannsee, einer Ikone der klassischen Moderne. 1941 entwarf sie die Gartenanlage des ähnlich epochalen Haus Vollbrück, einem Entwurf Egon Eiermanns. Wo diese Bauten aber durch kühne Winkel und eine strenge Modernität glänzen, gewährt Hammerbacher den Pflanzen Raum, verzichtet auf rechte Winkel und gerade Schnitte. Der geometrischen Sachlichkeit vieler Gärten der 1920er Jahre entgegnet sie mit einer Rückkehr zur gestalteten Natürlichkeit. Sie schuf durch Senken und Hügel ein Spiel der Dimensionen und integrierte Natursteine in eine Epoche, die doch gerade den Beton und die Pragmatik lieben gelernt hatte.Garten Baensch, Höhenweg 9, Spandau. Garten Vollberg, Dellbrückstr. 29, Wilmersdorf.------------------------------Foto: Trauben für den Thron: edles Obst im Hofgärtnermuseum.------------------------------Foto: Eine Insel abseits des urbanen Trubels: der Garten der Dada-Künstlerin Hannah Höch in Heiligensee.
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