Uglymeter

Berlins schönster Platz ist sein hässlichster: Erstmals vergeben wir die Höchstwertung

Am Lausitzer Platz in Kreuzberg spielt jemand Querflöte, Kinder tanzen, Väter tragen Babys. Ein Paradies, und doch bekommt es zum ersten Mal die volle Punktzahl auf dem Uglymeter. Ausgerechnet.

4 Min
Eine Seifenblasenmaschine auf einem Campingtisch, Kinder auf Rollschuhen, kein Auto weit und breit: Alltag auf dem Lausitzer Platz in Kreuzberg.

Eine Seifenblasenmaschine auf einem Campingtisch, Kinder auf Rollschuhen, kein Auto weit und breit: Alltag auf dem Lausitzer Platz in Kreuzberg.

© Imago/Jürgen Held

Am Samstagnachmittag spielte auf dem Lausitzer Platz eine Frau Querflöte. Kein Hut stand da, sie spielte einfach so, vor der Emmauskirche, in die Junisonne hinein. Um sie herum tanzten Kinder, weniger zur Musik als gegen sie, was niemanden störte. Türkische und deutsche, schwarze und weiße, alle durcheinander, als gäbe es dieses eine Deutschland wirklich, in dem alle zusammenleben und jedem dieselben Freiheiten gehören. Ein Mann ging vorbei, im Rock, auf dem Rücken ein Baby in der Trage, in der Hand ein alkoholfreies Bier, und nickte der Flötistin zu, wie man unter Kollegen nickt.

Ich blieb stehen und wartete auf die Hässlichkeit, das ist schließlich mein Job in dieser Kolumne. Sie kam nicht. Stattdessen beschlich mich ein Gefühl, das ich erst nach einer Weile einordnen konnte: Diese Menschen kamen mir vor wie Clowns. Wer dabei an etwas Lächerliches denkt, hat Clowns nie verstanden. Ich meine Figuren aus einer anderen Welt, kostümiert in Leinen und Gelassenheit, mitten in einer Nummer, die mit dem Leben da draußen nichts zu tun hat. Sie sind weder von dieser Welt gemacht noch für sie, und beides stimmt sogar.

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