Bisher musste sich Afghanistan in der Rangliste der gescheiterten Staaten mit Platz sieben begnügen. Doch das dürfte sich bald ändern. Nachdem die Wahlkommission des Landes nicht nur die Stichwahl ums Präsidentenamt abgesagt, sondern Hamid Karsai einfach zum Gewinner erklärt hat, könnte Afghanistan bald schon den Irak, die Demokratische Republik Kongo oder sogar den Tschad hinter sich lassen. Schließlich hat das Land nun endgültig eine Führung, der es bei seinen Bürgern und in der Welt an jeglicher Legitimation fehlt.Die Kriterien eines gescheiterten Staates erfüllt das Land ja bisher schon zu einem Gutteil: Vetternwirtschaft dominiert die Verteilung der Pfründe, Rechtsstaatlichkeit ist auf kleine Enklaven beschränkt, die Sicherheit der Bürger kann ebenso wenig garantiert werden wie Bildung oder Gesundheitsfürsorge. Stattdessen herrscht mittlerweile in immer mehr Landesteilen das Chaos und mithin eine Gruppe von Warlords, die alles andere wünscht als eine stabile und starke Zentralregierung.Die manipulierten Präsidentschaftswahlen sollten auch dem letzten Optimisten signalisieren, dass die bisherigen Konzepte zum Aufbau Afghanistans gescheitert sind. Die Konsequenz daraus sollte sein, dass die internationale Gemeinschaft den unterschiedlichen ethnischen Gruppen in den Regionen mehr Autonomierechte einräumt und sie an der Zentralregierung beteiligt. Das wäre zwar noch keine Demokratie, aber etwas weniger Scheitern.
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