Claus-Dieter Wollitz war weit davon entfernt, Gelassenheit auszustrahlen. Wollte er auch gar nicht. „Wir diskutieren über zwölf Gegentore, aber es diskutiert keiner darüber, dass Energie Cottbus schon 13 Tore erzielt hat“, echauffierte sich der Trainer der Lausitzer auf der Pressekonferenz nach dem 3:0-Erfolg (1:0) beim Karlsruher SC. Einmal in Fahrt gekommen, legte der 61-Jährige gleich noch nach: „Ich sage seit Jahren, dass unsere Einwechselspieler wichtig sind, aber Sie (die Journalisten; Anm. d. Red.) hören ja nicht zu. Entscheidend ist, dass es die Mannschaft versteht, über alles andere werde ich irgendwann mal in meinem Buch schreiben – wie die Schlauen sich immer über Fußball unterhalten, die überhaupt nicht wissen, wie eine Mannschaft unter der Woche zu begleiten ist.“
Erster Zweitliga-Auswärtssieg seit 2014
Man hätte glauben können, Cottbus habe gerade die dritte Saisonniederlage kassiert, dabei war doch alles ganz anders. Lukas Michelbrink (45.+2), Dominik Pelivan (55.) und Justin Butler (62.) hatten mit ihren Toren für den ersten Auswärtssieg des Aufsteigers in der Zweiten Bundesliga nach mehr als zwölf Jahren gesorgt.
Wollitz aber nutzte die Bühne, um zu bemängeln, dass seine Mannschaft in der öffentlichen Wahrnehmung oft noch zu schlecht wegkomme. Die bis dato ziemlich löchrige Defensive hielt im Wildpark mit ein wenig Glück in den entscheidenden Situationen stand, und der Trainer bewies mit seinen Einwechslungen einmal mehr ein glückliches Händchen. Nachdem beim spektakulären 4:4 in Wolfsburg eine Woche zuvor schon Dmytro Bogdanov von der Bank kommend entscheidend getroffen hatte, war es diesmal Pelivan, der mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 Wollitz’ glücklichem Händchen ein Gesicht gab. Insgesamt hat Cottbus an den ersten fünf Spieltagen schon fünf Jokertore erzielt – Ligaspitze!
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Die 13 erzielten Treffer werden zwar noch vom Spitzenduo Hertha BSC und 1. FC Nürnberg (jeweils 15) übertroffen, dafür haben sich bereits acht verschiedene Akteure in die Torjägerliste eingetragen. Auch das ist gemeinsam mit den Berlinern Bestwert in der Zweiten Bundesliga. Und überhaupt: Wo Cottbus mitspielt, ist Spektakel garantiert. 25 Tore sind in den fünf Partien mit Energie-Beteiligung gefallen. Langweilig wird es ganz sicher nicht.
Nur mit den Verstärkungen von der Bank hat man laut Wollitz „eine Chance, in der Liga zu bleiben“. Bewertet man die ersten Eindrücke der Saison, scheint sogar mehr möglich zu sein. Cottbus spielt unbekümmert, glänzt mit Teamgeist gleichermaßen wie mit starken Individualisten. Am Sonntag (13.30 Uhr) würde mit einem Sieg gegen den FC St. Pauli der Sprung ins vordere Tabellendrittel gelingen. Da hatte Cottbus vor der Saison wirklich niemand erwartet.
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