Berlin-Marathon

Bestzeit auf Gepäckträger: Influencerin schummelt sich durch den Berlin-Marathon

Berlin-Marathon 2026: Eine Influencerin fuhr ab Kilometer 38 Fahrrad, eine andere kürzte zehn Kilometer ab. Es folgten Disqualifikation und Sponsor-Aus.

3 Min
Die letzten Meter nach dem Brandenburger Tor: Hier endet der Berlin-Marathon – nach 42,195 Kilometern, die nicht alle Teilnehmer vollständig gelaufen sind. (Symbolbild)

Die letzten Meter nach dem Brandenburger Tor: Hier endet der Berlin-Marathon – nach 42,195 Kilometern, die nicht alle Teilnehmer vollständig gelaufen sind. (Symbolbild)

© Shokz/Shokz/obs

Bei Kilometer 38 stieg sie aufs Fahrrad. Genauer gesagt: auf den Gepäckträger.

Ein Marathon kennt eigentlich nur eine Regel, nämlich 42,195 Kilometer, kein Meter weniger. Zwei Influencerinnen haben sie beim Berlin-Marathon am 27. September eher als unverbindliche Empfehlung verstanden.

Die eine ließ sich mitnehmen. Die andere sparte sich nach Recherchen der B.Z. rund zehn Kilometer und posierte hinterher trotzdem mit Medaille.

Bestzeit auf Gepäckträger

Die erste Läuferin ist in China ein Star: Auf Rednote, dem chinesischen Gegenstück zu Instagram, folgen der Fitness-Influencerin „Abeeeer“ mehr als eine halbe Million Menschen.

Nach dem Rennen feierte sie 4:53:46 Stunden als persönliche Bestzeit, berichtet das Sportportal EssentiallySports.

Dann tauchte das Foto auf. Es zeigt die Läuferin nahe Kilometer 38 hinten auf einem Fahrrad. Verbreitet hat es die „Official Marathon Time Integrity Unit“, ein Instagram-Account, der verdächtige Laufzeiten seziert. Das US-Magazin Runner’s World hat den Fall ausführlich aufgearbeitet.

Schnellster Abschnitt kurz vor dem Ziel

Die Zeitmessung erledigte den Rest. Für die fünf Kilometer zwischen Kilometer 30 und 35 brauchte Abeeeer noch 36:51 Minuten.

Auf den letzten Kilometern schleppen sich die meisten Hobbyläufer nur noch ins Ziel. Abeeeer dagegen flog förmlich: 30:49 Minuten bis Kilometer 40.

Entschuldigung und Sponsor-Aus bei Brooks

Zuerst hieß es, ihr sei schlecht geworden, sie habe sich nur zu einem Streckenposten bringen lassen wollen, um aufzugeben. So gibt es das Portal Dexerto wieder.

Am 3. Oktober folgte die Kehrtwende. Die Fahrt habe gegen die Regeln verstoßen, sie habe das danach bewusst verschwiegen. Das sei „extrem unehrlich“ gewesen, zitiert sie das Portal. Ihre Unpässlichkeit sei keine Ausrede, schrieb sie laut dem kanadischen Sender CBC.

Die Laufmarke Brooks China beendete die Zusammenarbeit. Die Marathon-Posts sind gelöscht.

Abkürzung am Rathaus Schöneberg

Fall zwei spielt mitten in Berlin. Die belgische Sport-Influencerin Ginger Jesson-Macduff verließ laut dem Blatt die Strecke bei Kilometer 22 am Rathaus Schöneberg. Am Nollendorfplatz mischte sie sich wieder unter die Läufer.

Dazwischen liegt eigentlich fast ein Viertel der Marathondistanz.

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„Shortcut“ selbst auf Strava notiert

Die Beweise lieferte sie gleich selbst. Ihre Uhr zeichnete gut 31 Kilometer auf. Auf Strava nannte sie den Lauf selbst „Berlin marathon (shortcut)“.


Als nächstes Ziel nennt sie die Ironman-WM auf Hawaii am 10. Oktober. Kritiker auf Instagram vermuten deshalb Kalkül: Kräfte sparen für Hawaii, Medaillenfoto trotzdem mitnehmen.

In der offiziellen Ergebnisliste steht hinter ihrem Namen inzwischen: disqualifiziert.

Berlin-Marathon hat Erfahrung mit Abkürzern

Der Veranstalter SCC Events äußert sich nicht zu einzelnen Teilnehmern. Verdachtsfälle würden geprüft, nachgewiesene Abkürzer disqualifiziert, sagte ein Sprecher der Boulevardzeitung.

Neu ist das Problem nicht. 2007 gewann der mexikanische Ex-Präsidentschaftskandidat Roberto Madrazo in Berlin die Altersklasse M55 in 2:41:12 Stunden.

Laut seinem Zeitmess-Chip lief er die 15 Kilometer zwischen Kilometer 20 und 35 in 21 Minuten, wie damals unter anderem Fox News berichtete. So schnell sei nicht einmal der Weltrekordler, sagte Renndirektor Mark Milde. Madrazo wurde disqualifiziert.

Auf Hawaii warten am Samstag übrigens 226 Kilometer. Abkürzungen über die Lavafelder dürften dort noch schneller auffallen.

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