Vier Beamte des Landeskriminalamtes, Abteilung Wirtschaftskriminalität, stürmten am Mittwochmorgen gegen 9.40 Uhr in das Gebäude am Katharina-Heinroth-Ufer 1 im Tiergarten. Hier sendete bis vor kurzem der Berliner Radiosender Hundert,6 - bis dessen Geschäftsführer Thomas Thimme vor gut einer Woche den Sendebetrieb kurzerhand in die Potsdamer Straße verlegte und Insolvenz für die Hundert,6 Medien GmbH anmeldete. Seitdem sendet Thimme mit sechs Mitarbeitern über seine Firma Power Radio GmbH auf der alten Frequenz von Hundert,6 ein Sparprogramm. Die Mehrzahl der Beschäftigten von Hundert,6, etwa 30 Mitarbeiter, waren über diese Nacht-und-Nebel-Aktion nicht einmal informiert und bangen nun um ihre Arbeitsplätze.Grund für die Durchsuchungen am Mittwochmorgen sei der Anfangsverdacht der Insolvenzverschleppung, des Betrugs und der Untreue, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Parallel zum Insolvenzantrag des Radiosenders habe eine Privatperson Anzeige erstattet. Daraus habe sich der Anfangsverdacht ergeben. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Thimme vor, trotz seit nahezu zwei Jahren bestehender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung von Hundert,6 den erforderlichen Insolvenzantrag erst am 18. April und damit verspätet gestellt zu haben. Auch der Wohnsitz von Thimme in Kleinmachnow, seine Ferienwohnung in Wöhrden an der Nordsee sowie die neuen Geschäftsräume in der Potsdamer Straße wurden durchsucht. Insgesamt waren acht Polizeibeamte im Einsatz, etwa 50 Stehordner wurden sichergestellt.Nach der Durchsuchung in den Räumen am Katharina-Heimroth-Ufer forderte der Betriebsrat von Hundert,6 von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg eine "Rück- Übertragung der Sendelizenz". Thomas Thimme, der die Durchsuchungen "ausdrücklich begrüßt", begründete sie damit, dass "wenig vorteilhafte Verträge" aus früheren Hundert,6-Zeiten Gegenstand der Ermittlungen seien. (bjw.)
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