Der Freistaat Thüringen steht vor einem tiefgreifenden demografischen Wandel: Laut einer aktuellen Prognose des Landesamtes für Statistik könnte die Einwohnerzahl bereits bis Ende 2030 unter die Marke von zwei Millionen fallen. Bis zum Jahr 2045 rechnen die Statistiker mit einem Rückgang auf rund 1,8 Millionen Menschen – das entspräche einem Minus von 15,1 Prozent gegenüber dem heutigen Stand von etwa 2,1 Millionen Einwohnern. Thüringen hätte dann weniger Einwohner, als die Hansestadt Hamburg gegenwärtig zählt.
Als Hauptursache für den Bevölkerungsschwund nennen die Experten des Landesamtes den sogenannten Sterbeüberschuss: In Thüringen sterben deutlich mehr Menschen, als geboren werden. Verschärft wird die Lage durch die „außerordentlich niedrigen Geburtenzahlen der letzten Jahre“, wie die Statistiker in ihren Berechnungen schreiben. Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Kluft: Allein für das Jahr 2026 erwarten die Fachleute lediglich 10.900 Geburten – denen jedoch 31.500 Sterbefälle gegenüberstehen dürften.
Demografie im Osten: Ostdeutschland gehen die Schüler aus – schon ab kommenden Jahr
Krise der Demografie: Wie China der Herausforderung einer alternden Gesellschaft begegnet
Besonders hart trifft es die ländlich geprägten Regionen im Süden und Osten des Freistaats. Für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wird bis 2045 ein Rückgang von 22,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 erwartet, für den Landkreis Sonneberg von 21,5 Prozent. Auch die Landkreise Saale-Orla, Greiz, Hildburghausen, der Kyffhäuserkreis und Nordhausen sowie die Stadt Suhl liegen den Berechnungen zufolge über der 20-Prozent-Marke.
Auch Städte werden Verluste verzeichnen
Doch der demografische Wandel macht vor den Städten nicht halt. „Jede kreisfreie Stadt und jeder Landkreis wird Bevölkerungsverluste verzeichnen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität“, stellen die Statistiker fest. Die Landeshauptstadt Erfurt, Ende 2024 noch bei rund 218.800 Einwohnern, soll bis 2045 um etwa 7,2 Prozent auf circa 203.100 Einwohner schrumpfen. Für Jena wird ein Rückgang um 7,1 Prozent vorhergesagt, für Weimar um 6,3 Prozent und für Gera um 9,2 Prozent. Keine einzige Großstadt im Freistaat kann der Prognose zufolge mit wachsenden Einwohnerzahlen rechnen.
Zwar werden dem Landesamt zufolge fast alle kreisfreien Städte und Landkreise Wanderungsgewinne verbuchen können – also mehr Zuzüge als Wegzüge verzeichnen. Eine Ausnahme bildet der Saale-Holzland-Kreis. Doch wie die Statistiker betonen, reichen diese Zuwanderungseffekte nicht aus, um das Geburtendefizit auszugleichen. (mit dpa)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]