Bevölkerungswanderung: Hellersdorfer suchen in Marzahn eine Wohnung und umgekehrt

Die meisten Umzügler bleiben der Platte treu

Birgitt Eltzel
3 Min

Marzahn wird für die Hellersdorfer immer anziehender: Der Nachbarbezirk ist nach Angaben des Statistischen Landesamtes ihre allererste Wahl bei Umzügen innerhalb Berlins. Die Marzahner erwidern diese Zuneigung Hellersdorf rangiert bei ihnen ebenfalls an der Spitze. Allerdings wechselten in den vergangenen drei Jahren einige Hundert Hellersdorfer mehr nach Marzahn als umgekehrt. Bad und Küche modernisiert"Die Wohnung hier ist schöner und auch etwas preisgünstiger als unsere frühere", sagt Simone Albrecht. Gemeinsam mit Ehemann Stefan (36), Beleuchter am Carrousel Theater, und den Söhnen Thomas (10) und Daniel (13) hat die 35-jährige Siemens-Arbeiterin vor etwa zwei Jahren eine Vier-Zimmer-Wohnung am Parsteiner Ring in Marzahn bezogen. Das Mitte der 80er-Jahre gebaute sechsgeschossige Haus hat zwar noch die eintönige DDR-Fassade. "Aber im Treppenhaus, im Bad und in der Küche ist alles top-erneuert", sagt Stefan Albrecht. "Und die Lage ist gut: ruhig und grün, nahe der Ahrensfelder Berge." Gleichzeitig wohnt die Familie aber auch verkehrsgünstig, denn die Landsberger Allee, wo Bus und Bahn verkehren, ist nicht weit. Vor allem Stefan Albrecht habe aus Hellersdorf fortgewollt, erzählt seine Frau. Nicht nur, weil die Drei-Zimmer-Wohnung, die die Familie 1989 an der Alten Hellersdorfer Straße bezogen hatte, mit dem Wachsen der Jungen zu klein wurde. "Es hat mir im Viertel einfach nicht mehr gefallen", sagt Stefan Albrecht. Zu viele Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger habe es mit den Jahren dort gegeben, viel Frust und weniger gute Nachbarschaft. Und weil der Schwager aus seinem Wohngebiet in Marzahn anderes berichtete, habe man dort eine Wohnung gesucht. Der Hellersdorfer Bürgermeister sieht vor allem solche persönlichen Gründe als ausschlaggebend für den Wegzug aus dem Bezirk an. Uwe Klett musste jüngst konstatieren: "Auffallend ist ein starker und wachsender Wegzugstrend nach Marzahn." Das betrifft insbesondere die Großsiedlung: Allein im vergangenen Jahr sind von dort 1 785 Menschen in Marzahner Neubauquartiere gezogen, aber nur 926 Neu-Hellersdorfer kamen aus den Plattenbaugebieten des Nachbarbezirks. Das ergab eine Analyse des Bereichs Soziales im Hellersdorfer Bezirksamt. Ausgeglichen wurde diese Differenz nur teilweise durch Zuzüge ins Siedlungsgebiet von Kaulsdorf und Mahlsdorf: Insgesamt 348 Personen beträgt der so genannte Wanderungssaldo zu Gunsten des Bezirkes Marzahn.Zehn Quadratmeter mehrDie Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf (WoGeHe), sie ist mit 23 000 Wohnungen der größte Vermieter in Hellersdorf, kann diesen Trend für das Unternehmen nicht bestätigen. Im Gegenteil, in den Jahren 1994 bis 1998 habe es "ein leichtes Plus an Zuzug aus Marzahn gegeben, gemessen am jetzigen Wohnungsbestand", sagt Sprecherin Dagmar Neidigk. Die WoGeHe verwaltete Anfang der 90er-Jahre noch rund 40 000 Wohnungen.Erika Kröber, Sprecherin der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG), freut sich über das statistisch nachgewiesene Interesse an Marzahn. Sie erklärt sich das unter anderem mit günstigeren Wohnungsgrundrissen in Marzahn: In den 70er- und 80er-Jahren waren in Marzahn vorwiegend Berliner Baubetriebe tätig. Sie durften anders als die Firmen aus den damaligen DDR-Bezirken, die insbesondere in Hellersdorf eingesetzt wurden etwas größere Räume bauen. Eine durchschnittliche Drei-Zimmer-Wohnung im Plattenbau ist daher in Marzahn rund zehn Quadratmeter größer als im Nachbarbezirk Hellersdorf.UMZÜGE Nachbarbezirke und das Umland sind begehrt // Ziel von Umzügen innerhalb Berlins sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes gern die Nachbarbezirke.In der Gunst der Marzahner lag 1998 Hellersdorf (1 642 Umzügler) an erster Stelle, es folgten Lichtenberg (1 448), Hohenschönhausen (1 050) und Köpenick (823). Hellersdorfer zogen vor allem nach Marzahn (1 990), Lichtenberg (1 024), Köpenick (911) und Hohenschönhausen (561).Ins Umland zogen 3 279 Marzahner und 2 962 Hellersdorfer.Ihren Wohnsitz in den Westteil verlegten 1 487 Marzahner und 946 Hellersdorfer. Im eigenen Bezirk zogen 8 880 Hellersdorfer und 10 563 Marzahner um.

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