Kaum ist die Wurstbude am Holocaust-Mahnmal weg, schon will ein Wirt aus der Wilhelmstraße dort eine 16 Meter lange Schankterrasse eröffnen. Er hat bereits gegenüber dem Eingang zum unterirdischen Ort der Information Holzbohlen verlegen und große Schirme aufstellen lassen. "Auf der Terrasse soll in gehobener Art und Weise eine Gastronomieversorgung erfolgen", sagt Markus Hennig, Sprecher der B.Ä.R.-Grundstücksgesellschaft, der die Grundstücke zwischen Mahnmal und Wilhelmstraße gehören.Wie die Wurstbude ist auch die neue Terrasse umstritten. Dabei hat sie noch nicht einmal eröffnet. "Jede halbe Lösung - die Würstchenbude, die fliegenden Händler oder nun die Terrasse - passt nicht zum Mahnmal", sagt Uwe Neumärker von der Mahnmal-Stiftung. Weil die Besucher des Holocaust-Mahnmals aber auch viele Bedürfnisse hätten, müsse eine angemessene Lösung gefunden werden. Die will auch die B.Ä.R. Laut Hennig soll es deshalb in dieser Woche Gespräche mit der Stiftung sowie dem Bezirk Mitte geben. "Wir streben eine einvernehmliche Lösung an", sagt er.Angemessene Gestaltung verlangtDie Wurstbude in der Cora-Berliner-Straße hatte in der vergangenen Woche die Debatte entfacht, was am Mahnmal erlaubt ist und was nicht. Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) hatte dem Betreiber schon nach zwei Tagen wegen Verstoßes gegen den "Verunstaltungs-Paragrafen" den Betrieb untersagt. Gegen einen Souvenirstand aber hat der Bezirk bislang keine Handhabe. "Der Handel findet auf privatem Boden in einem mobilen Zelt statt", sagt Mittes Wirtschaftsstadtrat Dirk Lamprecht (CDU). Es gebe keinen Grund, den Handel zu untersagen.Dennoch will der Bezirk das Geschäftemachen am Holocaust-Mahnmal einschränken. Eine Vorlage von Baustadträtin Dubrau, die heute im Bezirksamt beraten werden soll, sieht vor, den Bauchladenhandel rings um das Mahnmal komplett zu verbieten. Dennoch steht Dubrau dem Handel dort nicht grundsätzlich feindlich gegenüber. Denn in den Erdgeschossen von geplanten neuen Wohnhäusern an der Cora-Berliner-Straße, die ursprünglich in diesem Jahr fertig werden sollten, aber noch nicht stehen, waren auch Souvenir- und Andenkenläden vorgesehen. "Wir müssen jetzt mit der B.Ä.R. und der Stiftung sehen, welche Zwischennutzungen es geben kann - aber nicht mit Wurstbuden und Dixi-Klos", sagt Dubrau. Sie stellt sich vielmehr eine Lösung mit Pavillons vor, in denen Bücher, Zeitungen und Souvenirs verkauft werden können, in denen aber auch für Touristen ein Imbiss angeboten wird. "Diese Pavillons müssen aber dem Ort angemessen gestaltet sein", so Dubrau.
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