Bezirk protestiert gegen das Projekt / Branche zweifelt

BSR will Müll in den Südosten bringen

Marcel Gäding
2 Min

Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) rüstet sich für die Müllentsorgung in den nächsten Jahrzehnten. Das Unternehmen lässt zurzeit von Gutachtern prüfen, mit welchen umweltfreundlichen Verfahren der Abfall von bis zu 1,2 Millionen Tonnen im Jahr entsorgt werden kann, ohne den Müll auf Deponien zu bringen. Hintergrund ist eine im Jahr 2005 in Kraft tretenden Verordnung, die untersagt, Abfälle unbehandelt zu lagern. Neben der Müllverbrennungsanlage in Ruhleben und dem BSR-Müllumladeplatz Gradestraße in Britz ist auch der Karlshorster Blockdammweg in die Überlegungen einbezogen. Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Wolfram Friedersdorff (PDS) befürchtet nun, dass dort Berlins zweite Müllverbrennungsanlage entsteht. Bis zu 460 000 Tonnen Hausmüll könnten nach Informationen der "Berliner Zeitung" in der Anlage verarbeitet beziehungsweise verbrannt werden. Friedersdorff will am Blockdammweg keine Müllverbrennungs- oder -verarbeitungsanlage haben. Dann wäre es mit der Ruhe in dem nahe gelegenen Wohngebiet vorbei, sagt der Bürgermeister. "Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen wehren." Welche Aktionen der Bezirk plant, steht noch nicht fest. Es werde auf jeden Fall Aktionen wie in den 90er-Jahren geben. Damals wollte die Bewag am gleichen Standort Hausmüll verbrennen und mit der gewonnenen Wärme Privathaushalte versorgen. Nachdem die Pläne bekannt wurden, protestierten Bezirksamt, Bezirksverordnetenversammlung und Anwohner. Mit Erfolg: Das Vorhaben wurde zu den Akten gelegt.Noch keine Entscheidung gefallenDie BSR-Pläne sorgen nicht nur im Bezirk für Unruhe. Auch die Branche ist besorgt. Denn sollte die BSR tatsächlich eine Verbrennungsanlage bauen, sei jeder Versuch, den Müll umweltfreundlich zu entsorgen, vergebens, heißt es. Von einer Müllverbrennungsanlage sei überhaupt nicht die Rede, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. "Wir prüfen den Bau von Anlagen, in denen aus Müll Energie gewonnen wird", sagt sie. Möglich seien auch Anlagen, in denen der Abfall sortiert und recycelt wird. "Eine Entscheidung steht aber noch aus." Es sei richtig, dass der Blockdammweg in den Überlegungen eine Rolle spiele. Manfred Breitenkamp von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung rechnet in spätestens zwei Monaten mit einer Entscheidung, welche Anlage in Karlshorst entsteht. "Die Ergebnisse der BSR-Gutachten fließen in den Abfallwirtschaftsplan", sagt er. Weil das Gelände am Blockdammweg im Flächennutzungsplan als Entsorgungsstandort ausgewiesen ist, sei im Prinzip eine Art Müllheizkraftwerk oder eine Aufbereitungsanlage möglich. "Es ist aber voreilig, gegen eine Sache zu protestieren, über die noch gar nicht entschieden ist."

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