Nach sieben Jahren Sanierung der Köpenicker Altstadt fällt die Bilanz nicht gerade rosig aus. "Die größte Schwäche des historischen Viertels, nämlich die städtebaulichen Missstände, bestehen weiter", sagt Klaus Selonke von der Sanierungsverwaltungsstelle gestern auf der Altstadtkonferenz des Bezirksamtes. Störend sei vor allem der Verkehr, der sich durch die engen Straßen quält. Aktivitäten für mehr Attraktivität, wie diverse Feste, seien nicht koordiniert. Einheitliche Planungen für eine Wasserstadt, die die Insel am Zusammenfluss von Spree und Dahme sein will, gebe es nicht. Seit Oktober 1993 ist die Köpenicker Altstadt offiziell Sanierungsgebiet. Das heißt, es gibt erhebliche Fördermittel, um marode Häuser, Straßen und Brücken zu reparieren. 120 Millionen Mark wurden bisher verbaut. Damit wurden unter anderem 700 Wohnungen saniert, über 200 neue gebaut und 5 000 Quadratmeter Gewerbefläche geschaffen. "Jetzt geht es darum, die Sanierungsziele von damals den heutigen Gegebenheiten anzupassen", sagt Selonke. Die Altstadt, war man sich auf der Konferenz einig, wird nicht durch ihre derzeit knapp 700 Bewohner belebt, sondern nur durch möglichst viele Besucher, die dort Kultur, Gastronomie und Wassersport erleben wollen. In diese Richtung könnte also die Entwicklung gehen: Ruhiges Altstadt-Wohnen wird im Interesse von mehr Veranstaltungen, Theater, Kneipen oder einem Hafenbetrieb zurückgestellt. Natürlich alles unter Beachtung der historischen Bausubstanz. Hochwertiges Wohnen erwünschtDoch auch da soll gelockert werden. Investoren, hieß es, kritisierten zu streng formulierte Nutzungskonzepte für zu kleinteilige Grundstücke sowie restriktiv gehandhabten Denkmalschutz. "Wir sind der Meinung, dass da einiges zeitgemäßer gestaltet werden kann", sagt der Sanierungsbeauftragte. Auch die festgelegten Mietobergrenzen schreckten Bauherren ab.Deshalb habe man dem Bezirksamt vorgeschlagen, diese abzuschaffen. Noch in diesem Jahr soll ein entsprechender Beschluss gefasst werden. Die meisten Hauseigentümer, hieß es zur Begründung, seien an einer Vermietung interessiert und würden von sich aus auf sozial Schwache eingehen. Im Übrigen gebe es in der Altstadt genügend Sozialwohnungen. "Was wir dort brauchen, sind mehr hochwertige Wohnungen für Leute, die auch mehr bezahlen können", sagt Selonke. Schlossplatz wird umgebautDie 270 Millionen Mark, die für die Sanierung Alt-Köpenicks in den kommenden Jahren noch zur Verfügung stehen, will man vorrangig in die Umgestaltung von Plätzen stecken. So soll der Bereich an der Dammbrücke als Altstadt-Eingang kenntlich gemacht werden. Im nächsten Frühjahr soll die Umgestaltung des Schlossplatzes und der Grünstraße beginnen, die dann nicht mehr Straßenbahn-Knotenpunkte sein werden.
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