Bezirksamt will nun regeln, was dort künftig erlaubt ist und was nicht

Unruhe am Checkpoint Charlie

Karin Schmidl
2 Min

Attraktiv ist sie nicht - die mit blauen Säcken verhüllte alliierte Kontrollbaracke am Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße. Enttäuscht war am Freitag auch Familie Piper aus Saarbrücken: "Nachbarn haben erzählt, dass man sich hier mit DDR-Vopos fotografieren lassen kann. Aber da ist ja gar nix."Junge Leute um den Schauspieler, Tänzer und Inhaber der Dance Factory Berlin, Tom Luszeit, posieren seit Oktober dort in Uniformen von DDR-Polizisten, ein Foto mit ihnen kostet einen Euro. Solange dieser "Missbrauch von Geschichte" geduldet werde, bleibe das Denkmal verhüllt, sagte die Chefin des Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, am Freitag. Im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will man nun ein Konzept für das historische Pflaster erarbeiten. "Wir müssen regeln, was dort genehmigt werden kann", sagte Baustadtrat Franz Schulz (Grüne). Dies wolle man gemeinsam mit dem Museum, mit Historikern und dem Bezirk Mitte tun. Oktoberfestbuden etwa dürften dort nicht stehen. Schulz hält die nachgebaute Alliierten-Baracke für "disneyhaft": "Diese billige Kopie für Touristen entspricht auch nicht gerade der Würde des Ortes." Die Foto-Aktion wäre von einem Konzept nicht betroffen, denn: "Dafür braucht man keine extra Genehmigung, jeder kann sich auf der Straße fotografieren lassen." Sogar gegen Geld. Auch das Abspielen der DDR-Nationalhymne aus dem Souvenirgeschäft gegenüber dem Museum heraus sei rechtlich erst relevant, wenn der zulässige Lärmpegel überschritten werde. Nicht genehmigt waren dagegen Teppiche auf der Straße sowie ein Trabant als Fotomotiv. Beides wurde abgeräumt. Schulz: "Wir sind für eine ordnungsgemäße Straßenfunktion zuständig." Möglicherweise müssten sogar die Straßenhändler weg, die am Checkpoint unter anderem DDR-Fahnen und russische Mützen anbieten. Was der Museumschefin Hildebrandt gefallen dürfte: "Wenn am Brandenburger Tor keine Würste verkauft und im Reichstag keine Filme gedreht werden dürfen, sollten auch am Checkpoint bestimmte Sachen unmöglich sein." Am Montag will sie dem Amt ihre Konzept-Vorschläge machen. Statt der "Vopos" standen am Freitagnachmittag zwei junge Leute in englischen und US-Uniformen dort. Und für den Jahrestag des D-Days hat sich Tom Luszeit etwas Besonderes ausgedacht: Studenten in französischen, britischen und amerikanischen Uniformen sollen am Sonntag am Checkpoint Charlie posieren. "Mal sehen, ob Frau Hildebrandt auch dagegen etwas hat." ------------------------------Foto: Am Checkpoint wird jetzt in US- (l.) und britischer Uniform posiert.

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