BEZIRKSREFORM - Diese Serie stellt die zwölf neuen Großbezirke vor. Wer regiert sie, wo befinden sich die Ämter, wo liegen die Probleme? Teil 11: Neukölln - Soziale Probleme lähmen die Verwaltungsarbeit. Gewerbe-Ansiedlungen sollen den Aufschwung bringen.

Neukölln kämpft gegen sein Schmuddel-Image

Stefan Strauss
3 Min

Welcher Bezirk würde mit Neukölln fusionieren wollen? Die Frage stellte sich praktisch nie. So wie Spandau und Reinickendorf bleibt der bisher bevölkerungsreichste Berliner Bezirk ohne Fusionspartner. Hätte die Frage sich gestellt, die Antwort wäre schwer gefallen. Welcher Kommunalpolitiker hätte sich gewünscht, zukünftig für Neukölln verantwortlich zu sein? Für den "Schmuddelbezirk", die "Bronx von Berlin", die "Endstation"?Bezirksbürgermeister Bodo Manegold (CDU) ärgert das miese Image seines Bezirkes. "Zu mir muss niemand mit einer schusssicheren Weste kommen", sagt er mit Blick auf Medienberichte über Neukölln. Vor drei Jahren schrieb das Hamburger Magazin "Der Spiegel" von peitschenden Schüssen und aufmarschierenden Jugendbanden - Straßenkampf in Rixdorf. Das hat Bezirkspolitiker und Bewohner aufgeregt: Sie protestierten gegen diese Darstellung. Der Bezirk hat verschiedene Gesichter. Die sozialen Probleme in Neukölln-Nord und der Gropiusstadt sind kein Geheimnis. In den südlichen Ortsteilen Britz, Rudow und Buckow dagegen geht es ruhiger zu. Dort stehen Einfamilien- und Reihenhäuser. Der Anteil der Arbeitslosen lag mit 20 Prozent im September 2000 weit über dem Berliner Durchschnitt von 15 Prozent. Von Sozialhilfe leben 43 300 Neuköllner. Die 130 Mitarbeiter im Sozialamt sind mit der Betreuung "schlichtweg überfordert", sagt Neuköllns Sozialstadtrat Dietrich Schippel (CDU). "Es fehlt an Personal." Doppelt so viel Mitarbeiter könnte der Sozialstadtrat einstellen. Um bis zu 400 Einzelfälle muss sich jeder Mitarbeiter zurzeit kümmern. Nur 260 dürften es sein nach einer Empfehlung des Rates der Bürgermeister. Schippel hat keine große Hoffnung, dass sich schnell etwas ändert. Die Verwaltungsreform ist abgeschlossen, die Leistungs- und Verantwortungszentren arbeiten. "Es wäre schlimm, wenn Neukölln für Berlin zum Maßstab werden würde", sagt Schippel.Ganz so negativ sieht der Wirtschaftsberater des Bezirksamtes, Clemens Mücke, die Entwicklung nicht. "Wir haben zurzeit die Probleme, die die neuen Großbezirke erst noch bekommen werden", sagt er. "Trotzdem ist der Abwärtstrend gestoppt. Jetzt geht es langsam aufwärts." Erstmals haben die Gewerbeanmeldungen in diesem Jahr die Zahl der Abmeldungen übertroffen. Neukölln hofft auf eine positive Entwicklung. Wirtschafts- und Handwerkertage, die Verleihung des Neuköllner Gründerpreises und die Kunstaktion "48 Stunden Kultur" sind Bemühungen, das Image des Bezirkes zu verbessern. Die Industriegebiete Teltowkanal, Kanalstraße, Grenz- und Sonnenallee werden bis 2005 eine direkte Autobahnanbindung erhalten. Auch der Großflughafen Schönefeld werde sich positiv auswirken, hofft Mücke. Quartiersmanager arbeiten im Rollbergviertel, in der High-Deck-Siedlung und im Viertel um die Schillerpromenade. In disesen Vierteln und der Gropiusstadt sind Fehlbelegungsabgaben und Wohnberechtigungsscheine weggefallen. Dadurch sollen besser Verdienende gehalten oder angelockt werden. Bürgermeister Bodo Manegold hofft auf eine "vernünftige" Struktur - "sozial gefestigte Mieter mit einem Arbeitsplatz".BERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Blick vom Dach des "Forums Neukölln" auf Rathaus und Mietshäuser: Im nördlichsten Ortsteil lebt die Hälfte der Einwohner des Bezirks.

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