Bienzle in Berlin

Jürgen Busche
2 Min

Was ist mit Bienzle los? Er ist in Berlin. Und er trinkt Bier. Das scheint so weit in Ordnung zu sein. Aber muss er es gleich übertreiben mit seinem Versuch, alles Schwäbische hinter sich oder unten am Neckar zu lassen? Felix Huby lässt in seinem neuesten Bienzle-Krimi - "Bienzle im Reich des Paten" (rororo) - seinen Stuttgarter Kommissar an der Spree Amtshilfe leisten. Und in einer Pension in der Wielandstraße wohnen. Doch bevor er sich dort zur Nacht bettet, zieht es den Gemütsmenschen, der längst zu "Tatort"-Ehren gelangt ist, nach Feierabend auf die nördliche Seite des Kurfürstendamms, in die Lokale rund um den Savignyplatz. Er weiß offenbar nicht, dass es seinen geliebten Trollinger ganz in der Nähe, auf der anderen Seite des Damms, in der Uhlandstraße gibt. Dazu noch in einer Besenwirtschaft. So heißen in Württemberg die schlichten Gaststuben - ursprünglich nur in den Weinbergen - für die Brotzeit. Zu erkennen sind sie an dem Besen, der über der Türe steckt. Daher heißt es: in den Besen gehen. Kann man auch in Berlin. Aber Bienzle weiß das nicht.Natürlich kann Bienzle nur wissen, was sein Autor weiß. Aber wieso weiß es der Autor nicht? Felix Huby war einst in Stuttgart ein angesehener Journalist, er berichtete für den "Spiegel" über den großen Terroristenprozess in Stammheim. Seit geraumer Zeit lebt er in Berlin. Hat er das Recherchieren verlernt? Oder meidet er hier lieber das allzu Schwäbische? Solche Scheu wäre keineswegs untypisch. Mit Bienzle im Fernsehen gab es anfangs Schwierigkeiten, weil hervorragende Schauspieler, die das Format für diese differenzierte Kommissar-Figur hatten, sich weigerten, bei bundesweiten Auftritten zu schwäbeln. Das war lange vor der Erfindung des Slogans "Wir können alles - außer Hochdeutsch".In der Nähe des Monbijouplatzes trifft nun Bienzle auf einen Penner, der sich als Landsmann herausstellt: "Der Kommissar kämpfte mit seiner Enttäuschung. Warum bildete er sich bloß immer so viel darauf ein, Schwabe zu sein?" Ganz schön selbstkritisch für einen Beamten aus dem Mercedes-Ländle. Am "Bratwurststand Kudamm 195" verzehrt Bienzle seine letzte Currywurst. Dann muss er zurück und gleich an den Bodensee. "Du fährst jetzt mit mir in den Wilden Mann", begrüßt ihn der Kollege im Süden, "isst einen Rostbraten mit Spätzle oder von mir aus auch Gaisburger Marsch und trinkst einen guten Wein." Derlei gibt es in einer Besenwirtschaft kaum. Und überhaupt: Dohoim isch dahoim.

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