Traditionell beginnt die Biergartensaison am 1. April. Manche Wirte beharren stur auf diesem Termin und stellen Tische und Bänke dem Datum nach vor die Tür, auch wenn sich die Lust auf ein frisch Gezapftes so zeitig im Jahr noch nicht einstellen mag, weil das Wetter nicht mitspielt. Bier schmeckt eben am besten wenn die Sonne scheint - nicht zu kräftig wohlbemerkt, so um die 22/23 Grad - wenn man gemütlich unter Bäumen sitzen kann und der Gerstensaft einem nicht zu schnell zu Kopfe steigt. Wie in diesen Tagen. Längst läuft man wieder Slalom auf den Bürgersteigen in der Stadt, weil sich das Restaurantleben vor den Türen abspielt. Und das ist auch gut so, weil es die Annäherung der Menschen untereinander fördert - eher an robusten Holzbänken, als an weiß gedeckten Tischen. Doch nicht überall wo unter einem Baum ein Tisch steht, hat man es zwangsläufig mit einem Gartenlokal oder Biergarten zu tun. Dabei nahm zumindest die Geschichte der Biergärten genau so ihren Anfang, in Bayern, vor mehr als 150 Jahren. Um das im Winter gebraute Bier im Sommer kühl zu lagern, nutzte man neben den Braukellern auch überirdische Lagerflächen, am liebsten unter dem dichten Blätterdach der Rosskastanien. Wer wollte den Brauern verdenken, dass sie gleich an Ort und Stelle Kostproben ihres Könnens abgaben, allerdings ohne Zubiss, für den mussten die Leute selber sorgen. Dieser Tradition haben es die Bayern bis heute zu verdanken, dass sie Picknickkorb oder Brotzeit in die Biergärten mitbringen dürfen. In Berlin ist so etwas natürlich nicht gestattet. Gegessen wird, was auf der Karte des Hauses steht. In manchen Biergärten hängen gar mahnende Schilder: Essen mitbringen verboten! Dafür sitzt es sich hier ebenso gemütlich wie in Bayern. Wir haben Dahme und Spree, ein paar Seen und schattige Bäume sowieso. In Berlin entstanden die Biergärten übrigens im 19. Jahrhundert mit den ersten Brauereien, also wie in Bayern als Orte des geselligen Ausschanks. So lockte beispielsweise die längst geschlossenen Tivoli-Brauerei im Jahre 1869 mit folgendem Spruch: "Genießt im edlen Gerstensaft / des Weines Geist, des Brotes Kraft!" Wie sollte er heute aussehen, der Ort, an dem man gut und gerne draußen sitzt? "Er sollte beides haben: Zum einen muss man sich zurückziehen können, dass man nicht mitten im Trubel steckt. Zum anderen muss man auch Gelegenheit haben, Kontakte zu knüpfen. Biergärten sind ja irgendwie Kommunikationsbörsen." Volker Spiess kennt sich aus mit Biergärten und Gartenlokalen. Und mit den Ansprüchen, die die Besucher an so einen Ort der Gastlichkeit stellen. Vor drei Jahren hat er einen Reiseführer durch die Biergärten Berlin und Brandenburgs geschrieben, dieser Tage arbeitet er an einer aktualisierten Neuauflage, die im August erscheinen soll - etwa die Hälfte der damals vorgestellten Gärten ist rausgeflogen, neue kamen hinzu.Die Bergterasse Marienhöhe in Tempelhof ist erneut dabei: eingebettet in die Natur, mit schönem Garten voller Bäumen, Sträuchern und Blumen. Man kann sich in eine Ecke zurückziehen, oder sich zu anderen Leuten an den Tisch setzen. Oder der Alte Dorfkrug in Lübars, wohl hundert Jahre alt, mit lauschigem Biergarten in dem bei schönem Wetter samstags die Musike spielt. Hotel Haus Danneberg in Reinickendorf, Kaiserstein in Kreuzberg, Britzer Mühle in Neukölln. Man muss nicht immer weit fahren, um im Grünen zu sein. Manchmal reichen ein paar Kübel mit Grünpflanzen, Biergartenmöbel, und ein Ausschank, um aus einer lauten und staubigen Ecke einen "Queens Garden" zu zaubern. Vor nicht allzu langer Zeit glich die Gegend um die Siegessäule erfrischungstechnisch betrachtet einer Wüste. Heute ist dort das/die "Café, Bar, Viktoria" und dankbar lassen sich die pflastermüden Berliner und ihre Besucher auf die Holzstühle fallen und zischen ein Pils oder sonst etwas, wonach sie dürsten. Sieben Minuten übrigens, braucht es nicht, bis ein Pils ordentlich gezapft ist. Höchstens drei. Man lernt eben nie aus.INFORMATIONEN // Adressen: Bergterrasse Marienhöhe, Marienhöher Weg 30, Tempelhof. Mo-Do ab 12 Uhr, Sa/So ab 11 Uhr, Fr geschl.Hotel Haus Dannenberg, Alt-Heiligensee 52-54, Reinickendorf. Durchgängig geöffnet, da Hotelbetrieb.Preußisches Landwirtshaus, Flatowallee 23, Charlottenburg. Mo-Sa 17- 1 Uhr, So und feiertags 12-1 Uhr.Britzer Mühle, Buckower Damm 130, Neukölln. So-Do 9-2 Uhr, Fr u. Sa 9-3 Uhr.Ratskeller Köpenick, mit 1. Berliner Rathaus Hofgarten und Livemusik, Alt-Köpenick 21, Köpenick. Täglich 11-24 Uhr.Lesen: Stimmt es, dass Bier schön macht? Wie zapft man Guinnes aus der Dose? 567 Fragen beantwortet Conrad Seidl in seinem "Bier-Katechismus" (Deuticke, 39 Mark).Internet: http://www. 1516-online. de - alles rund ums Bier, mit Lexikon und Informationen über Brauereien, Reinheitsgebot und Geschichte.http://www. bier-selbstgebraut. de - Tips zum Selberbrauen. Bierlinks, Bezugsquellen, Online-Diskussionsforum für den Hausbrauer und Hobbybrauer.http://www. bier-art. com - Infos zum Thema Bier, Sammeln, Tauschen, Lebensart. Verzeichnisse von Brauereien und Verbänden.Termin: 5. Internationales Berliner Bierfestival vom 3. -5. August 2001, Karl-Marx-Allee/Strausberger Platz. Erwartet werden 190 Brauereien aus 72 Ländern mit mehr als 1 500 Bierspezialitäten.BERLINER ZEITUNG/KAY HERSCHELMANN Bier schmeckt am besten in Gesellschaft und wenn die Sonne scheint. Ganz besonders an den Hundstagen.BLZ/GERD ENGELSMANN Der Zapfer ist der König am Tresen. Beherrscht er seine Kunst, steht dem Glück nichts mehr im Wege.
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