Beinahe 10 000 einzelne Funde, deren Herkunft bis in die Mittelsteinzeit reicht, brachten Archäologen seit Mitte 1999 bei Grabungen im städtebaulichen Entwicklungsgebiet Biesdorf-Süd zu Tage. Dort wird ein neuer Stadtteil mit 4 400 Wohnungen errichtet. Die Ausgrabungsstätte gehört zu den größten und umfangreichsten Nordostdeutschlands. Die Arbeiten auf einer 20 000 Quadratmeter großen Fläche sind Mitte des Jahres abgeschlossen worden. Wie Landesarchäologe Wilfried Menghin gestern mitteilte, wird derzeit geprüft, ob in Biesdorf-Süd weitere Grabungen stattfinden. Die bisherigen Untersuchungen kosteten insgesamt 1,57 Millionen Mark. Den Großteil der Kosten trug der Entwicklungsträger Bau Grund AG, das Landesdenkmalamt förderte die Arbeiten mit 330 000 Mark.Feuersteinbeil 7 000 Jahre alt Ein etwa 7 000 Jahre altes Feuersteinbeil, Keramiken verschiedener Epochen sowie ein Brunnen aus der Römischen Kaiserzeit (1. Jahrhundert) sind Zeugnisse einer langen Siedlungstradition im Gebiet. "Wir haben vieles gefunden, das Rückschlüsse darauf zulässt, wie die Menschen dort lebten", sagt Kai Schirmer. Der Archäologe gehört zu dem vom Entwicklungsträger beauftragten Grabungsteam. Das legte unter anderem Reste einer germanischen Siedlung mit Speichern, Feuerstellen sowie Vorratsgruben frei. Auch ein 2 000 Jahre alter Kalkbrennofen war dabei. "Erstmals gelang es uns hier nachzuweisen, dass der Rohstoff durch den Abbau von Wiesenkalk gewonnen wurde", sagt Schirmer. Begleitende naturwissenschaftliche Untersuchungen hätten die Erkenntnisse vertieft, sagt Schirmer. So ergab Knochenmaterial von Haustieren Hinweise auf die Wirtschaftsweise: Bereits in der Jungsteinzeit waren in Biesdorf-Süd Ackerbauern und Viehzüchter sesshaft. Noch früher, 8 000 bis 3 000 Jahre vor Christus, gab es dort auch Fischer. Darauf deuten unter anderem Reste eines Welses hin. "Der stammt aus der Wuhle", sagt Schirmer. Das lasse auch Schlüsse über die damalige Größe des Flusses zu, der heute nur noch wenig mehr als zwei Meter breit ist.BERLINER ZEITUNG/WULFOLM Archäologe Renè Bräuning zeigt eine Schale aus der Jungbronzezeit.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]