Versinkt sie? Taucht sie auf? Öffnet sich die Tür? Schließt sie sich? Billie Eilish hat auf Instagram ihr drittes Album für den 17. Mai angekündigt. Auf dem Bild dazu, das der auf Unterwasseraufnahmen spezialisierte Fotograf William Drumm gestaltet hat, sieht man die schwerelose Billie Eilish in einem schwarzen Anzug, der sich kaum von der Tiefseedunkelheit absetzt. Nur Gesicht, Hände und Füße sind gut zu sehen.
Der Eilish-typisch versunkene Blick ist der helleren Wasseroberfläche zugewandt, die von einer halb geöffneten Tür begrenzt wird. Es gibt nicht nur eine Welt. Der Wechsel aus der uns umgebenden Realität mit ihren Zumutungen von Konflikten, Trieben, Schwerkraft, Stoffwechsel und Atmung hinein in eine der Stille, des Aufgehobenseins, des Schwebens, der Einsamkeit ist möglich, soll möglich sein. Zurück in den Uterus. Aber da ist man dann wieder so allein!
Die Symbolkraft des Bildes ist so deutlich wie vielsagend. Ihr dialektischer Widerspruch wird im Titel des Albums durch ein „und“ aufgelöst. Es ist immer beides. Hinauf, hinab. Hinein, hinaus. „Hit Me Hard And Soft“ soll das dritte Studioalbum heißen. Wer eine solche Bitte äußert, sucht ein Gegenüber, eines, das die eigene Anwesenheit spüren lässt.
Den meisten würden hierfür sicher die soften Schläge genügen, vielleicht sogar Liebkosungen und Zärtlichkeiten. Aber Billie Eilish, die 2019 als 17-Jährige mit ihrem Debütalbum „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ die Charts stürmte, zwei Jahre später mit „Happier Than Ever“ nachlegte, zwei Oscars für die Titelsongs zu James Bond und „Barbie“ gewonnen hat, kennt und sucht in ihrer Kunst auch die dunkle Seite der Begierde, den Schmerz, die Züchtigung und das gefährliche Spiel mit alledem.
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Jetzt sei sie, wie sie schreibt, „nervös“, „aufgeregt“ und „stolz“ und könne nicht mehr warten, bis wir – „love you love you love you“ – das Album endlich hören. Und zwar, laut Empfehlung der Plattenfirma Darkroom/Interscope Records, am besten am Stück und chronologisch. Versprochen sind „ein gewaltiges Audio-Panorama und die gesamte Palette ihrer Emotionen“. Allerdings wird die Richtung der körperlichen Interaktion in der Ankündigungsprosa umgedreht. Auf einmal geht nicht um die Sehnsucht danach, etwas zu spüren, sondern im Gegenteil: „Es ist ein extrem emotionales Werk, das harte und auch softe Schläge austeilt.“
Vielleicht ist das auch egal bei der weltabgewandten Verschmelzung von Sängerin und Publikum, bei den inneren Kämpfen, die immer gemeinsam erlitten werden, als Utopie eines Schmerzes. Billie Eilish teilt nicht aus, sie teilt. Das lindert und befreit. Ein großes Versprechen und nur noch 38 Tage.
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