Energie

Bis zu 40 Prozent Rabatt: China bringt Russlands Arctic LNG 2 trotz Sanktionen in Fahrt

Russland fährt Arctic LNG 2 trotz Sanktionen schneller hoch als erwartet. China kauft immer mehr – angelockt von Rabatten von bis zu 40 Prozent.

5 Min
Trotz westlicher Sanktionen wächst Russlands Arctic LNG 2 (siehe Bild) rasant – vor allem dank Exporten nach China.

Trotz westlicher Sanktionen wächst Russlands Arctic LNG 2 (siehe Bild) rasant – vor allem dank Exporten nach China.

© Arctic LNG 2/Novatek

Russland baut seine LNG-Lieferungen nach China kräftig aus – obwohl Chinas gesamte Nachfrage nach Flüssigerdgas sinkt. Von Januar bis Juli stiegen die chinesischen Importe aus Russland um 24,9 Prozent auf 4,23 Millionen Tonnen, während die gesamten LNG-Einfuhren um 4,6 Prozent zurückgingen. Das geht aus einem Bericht des Finanzdienstleisters S&P Global hervor.

Angetrieben wird das Wachstum vor allem durch das sanktionierte Großprojekt Arctic LNG 2. Der Betreiber Novatek bietet die Ladungen laut S&P Global Energy mit Abschlägen von 30 bis 40 Prozent auf die asiatischen LNG-Referenzpreise an und hat seine Transportkapazitäten schneller als erwartet ausgebaut. Seit Februar wurden sieben Tanker für Arctic LNG 2 in Betrieb genommen. S&P Global CERA hob vor diesem Hintergrund seine Absatzprognose für 2027 um zwei Millionen auf 7,24 Millionen Tonnen an.

Russlands Anteil an Chinas LNG-Importen wächst

Der Anteil russischen Flüssigerdgases an Chinas LNG-Importen stieg in den ersten sieben Monaten dieses Jahres von 9,5 auf 12,5 Prozent. Von März bis Juli lagen die Einfuhren aus Russland in jedem Monat über dem jeweiligen Vorjahreswert. Im Juni betrug der Anstieg sogar 92,9 Prozent.

Gleichzeitig brachen Chinas LNG-Importe aus Katar ein. Sie sanken von Januar bis Juli um 55,2 Prozent auf 4,89 Millionen Tonnen. Katars Anteil am chinesischen Importmix fiel damit von 30,7 auf 14,5 Prozent. Neben Russland profitierten davon unter anderem Malaysia, Kanada, Oman und Nigeria.

Die angespannte Lage im Nahen Osten und die geringere Verfügbarkeit von Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten chinesische Käufer dazu veranlasst, ihre Bezugsquellen stärker zu diversifizieren, erklärte Tianshi Huang, leitender Analyst für den chinesischen Gas- und LNG-Markt bei S&P Global Energy CERA.

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Bei russischem LNG stammt der jüngste Zuwachs dem Bericht zufolge allerdings hauptsächlich aus Arctic LNG 2. Eine größere Umlenkung von Lieferungen des etablierten Projekts Yamal LNG nach China sei bislang nicht zu erkennen.

Weil wichtige Lieferungen aus dem Nahen Osten fehlen, importiert China immer mehr LNG aus Russland – vor allem aus dem sanktionierten Terminal Arctic LNG 2.

Weil wichtige Lieferungen aus dem Nahen Osten fehlen, importiert China immer mehr LNG aus Russland – vor allem aus dem sanktionierten Terminal Arctic LNG 2.

© Wang Jun/XinHua/dpa

Arctic LNG 2 überwindet Engpass bei Tankern

Die 2023 verhängten Sanktionen der USA schnitten Arctic LNG 2 zunächst weitgehend vom internationalen Markt ab. Tatsächlich kam das Projekt zeitweise nahezu zum Stillstand. Es fehlte vor allem an geeigneten Tankern, um das Flüssigerdgas aus der russischen Arktis zu transportieren.

Novatek hat die für Arctic LNG 2 verfügbare Flotte schneller ausgebaut, als Analysten erwartet hatten. Die zusätzlichen Transportmöglichkeiten und die hohen Preisnachlässe ermöglichen es Russland, immer größere Mengen nach China zu verkaufen.

China nahm am 28. August 2025 die erste Ladung aus Arctic LNG 2 ab und ist seither der wichtigste bekannte Abnehmer. Bis Ende Juli erhielt allein das staatliche PipeChina-Terminal Beihai laut S&P Global CERA rund 2,8 Millionen Tonnen aus dem Projekt. Damit entfielen mehr als 90 Prozent aller dort angelandeten LNG-Mengen auf Arctic LNG 2. Novatek und PipeChina ließen Anfragen von S&P Global unbeantwortet.

Bereits zuvor hatten exklusive Daten des Londoner Börsenbetreibers LSEG, die der Berliner Zeitung vorliegen, den rasanten Hochlauf des Projekts gezeigt. Zwischen Januar und Juli 2026 wurden bei Arctic LNG 2 rund 1,71 Millionen Tonnen verladen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 0,21 Millionen Tonnen. Die Menge hat sich damit mehr als verachtfacht.

China prüft offenbar Verträge mit Yamal LNG

Chinesische Unternehmen interessieren sich inzwischen auch für zusätzliche Lieferungen aus Yamal LNG. „Viele Unternehmen in China versuchen, sich Verträge mit Yamal zu sichern, weil Europa ein Verbot von russischem LNG plant“, sagte ein Händler aus der Provinz Guangdong zu S&P Global. Bestätigte Abschlüsse seien ihm bislang jedoch nicht bekannt.

Die EU will ihre Einfuhren von russischem LNG schrittweise beenden. Für langfristige Verträge gelten Übergangsfristen. S&P Global CERA erwartet dennoch, dass Yamal LNG im laufenden Jahr rund 20 Millionen Tonnen exportieren kann. Ausschlaggebend seien stärker als erwartete Käufe aus Europa und die Flexibilität bestehender Lieferverträge.

Eine groß angelegte Verlagerung von Europa nach China halten die Analysten allerdings vorerst für schwierig. Die Zahl der eisgängigen Tanker ist begrenzt, zugleich sind Transporte von der russischen Arktis nach Asien lang und teuer. Die Schiffslogistik dürfte deshalb der größte Engpass bleiben.

Das billige russische LNG verschärft zugleich den Wettbewerb unter chinesischen Importeuren. Billiges russisches LNG erhöhe den Druck auf die Preise im chinesischen Markt und erschwere kleineren Importeuren das Geschäft, sagte ein Händler eines LNG-Terminals aus Guangdong. Sollte sich die Versorgung aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten wieder normalisieren, könnte der Preisvorteil russischer Ladungen jedoch an Bedeutung verlieren.

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