Bisherige Landeschefs wurden knapp wiedergewählt

Bei den Grünen bleibt alles beim Alten

Thomas Rogalla
3 Min

Im Superwahljahr haben sich die Berliner Grünen für Kontinuität in der Führung entschieden: Am Wochenende bestätigte die Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen die bisherigen Vorsitzenden Irma Franke-Dressler (62) und Stefan Gelbhaar (32) im Amt - allerdings mit relativ knappen Ergebnissen. Franke-Dressler, seit 2007 im Amt, erhielt 73 der 142 Delegiertenstimmen, Gelbhaar 78 Stimmen. Er war vor einem Jahr für die aus gesundheitlichen Grünen zurückgetretene Barbara Oesterheld nachgewählt worden.Franke-Dressler, gelernte Werbegraphikerin und seit 1990 in verschiedenen Funktionen für die Grünen tätig, hob die in ihrer Amtszeit unter Beweis gestellte Kampagnenfähigkeit der Partei hervor. Unter anderem bei der Abstimmung zur Schließung des Flughafens Tempelhof und bei der Verhinderung eines neuen Vattenfall-Kohlekraftwerks in Lichtenberg hätten die Aktiven hervorragende Arbeit geleistet, unterstützt von der erfolgreich arbeitenden Parteiführung. Das sahen besonders jüngere Delegierte aus dem dem Kreisverband Tempelhof-Schöneberg anders, die sich am Rande des Plenums höchst despektierlich über die als zu bürgerlich eingestufte Franke-Dressler äußerten, die in der BVV Steglitz-Zehlendorf mithalf, ein schwarz-grünes Bündnis zu zimmern. Immerhin 67 Delegierte votierten für die Ingenieurin Marion Hasper aus Tempelhof-Schönberg, die gegen Franke-Dressler mit dem Versprechen angetreten war, das, was jetzt schon gut sei, noch besser zu machen. Ihre organisatorischen Erfahrungen als Umweltberaterin und Projektleiterin können in den bevorstehenden Wahlkämpfen nützlich sein. Hasper trat nach der ersten Abstimmungsniederlage ein zweites Mal an, erhielt gegen Gelbhaar aber nur noch 54 Stimmen. Nur sieben Stimmen erhielt der 28-jährige Florian Peschelt aus Marzahn-Hellersdorf, der unter dem Titel "Die andere Kandidatur" die Politik der Grünen grundsätzlich in Frage stellte. Die Partei habe zwar vor den anderen die Energiewende gefordert, aber "etwas ökologischer hier, etwas gerechter da, ein wenig partizipativer dort: Und davon soll der Raubbau an unseren natürlichen Lebensgrundlagen gestoppt werden?" Es gab im Saal einerseits stellenweise höflichen Applaus, überwiegend aber verdrehte Augen.Zustimmung erhielt eine vom energiepolitischen Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Michael Schäfer, eingebrachte Resolution zur Energiepolitik in Berlin. Die Grünen hätten mit ihrer Kampagne gegen das von Vattenfall geplante Kohlekraftwerk für den Klimaschutz aus der Opposition heraus mehr erreicht als der Senat aus der Regierung. Auch bei der Suche nach Kraftwerks-Alternativen werde man weiter öffentlichen Druck auf den Energiekonzern und den Senat machen. Ballungsräume hätten bessere Möglichkeiten, Kohlendioxid zu reduzieren, diese müssten nun genutzt werden.Viel Beifall erhielt auch die Rede des Europaabgeordneten Michael Cramer, der sich als Antwort auf die Krise für einen neuen "Gesellschaftsvertrag" einsetzte. Er soll Klimaschutz und Wirtschaftsförderung mit den Interessen der Menschen verbinden. Cramer: "Abgekürzt heißt das "WUMS" - Wirtschaft und Umwelt, menschlich und sozial".------------------------------Foto: Irma Franke-Dressler bekam 73 von 142 Delegiertenstimmen.------------------------------Foto: Stefan Gelbhaar erhielt am Sonnabend 78 Stimmen.

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