Die neue Fußballsaison in Italien hat begonnen wie sie im Frühjahr aufgehört hatte: Mit Randale wild gewordener Fußballfans. Am letzten Spieltag hatten die Ultras von Inter Mailand beim Auswärtsspiel in Parma Straßenschlachten angezettelt. An diesem Sonntag waren es die Hooligans vom SSC Neapel, die auf dem Weg nach Rom einen Zug verwüsteten und sich vor dem Olympiastadion ähnlich gewalttätig zeigten. Am Dienstagabend verhängte das italienische Innenministerium eine Sperre für Auswärtsfahrten der Napoli-Fans. Wie die Polizei vermutet, steckt die neapolitanische Camorra hinter den Attacken. Die Tatsache, dass Ultras teilweise mit der organisierten Kriminalität unter einer Decke stecken, kann jedoch nicht davon ablenken, dass die gesamte italienische Fan-Szene von Gewalttätern durchsetzt ist. Alle Hoffnungen auf eine weniger gewalttätige Spielzeit sind jedenfalls zerstoben. Blauäugig, wer derlei zu hoffen wagte.Diesen Vorwurf müssen sich die Sicherheitsbehörden gefallen lassen, die trotz der verheerenden Erfahrungen aus dem Vorjahr guten Willen zeigen wollten. Doch der ist fehl am Platz. Bei Straßenschlachten anlässlich des sizilianischen Derbys zwischen Catania und Palermo war im Februar 2007 der Polizist Filippo Raciti ums Leben gekommen. Nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf den Lazio-Fan Gabriele Sandri verwüsteten Hooligans im vergangenen November Teile der Hauptstadt und griffen unter anderem zwei Polizeistationen an. Der Fußball-Mob braucht nur einen Anlass, also den Spieltag, um hemmungslos gewalttätig zu werden.Von Sizilien über Neapel, Rom, Florenz, Genua bis nach Mailand gibt es immer wieder Ausschreitungen. Wie im Fall Sandri beschränken sich die Randale dabei nicht etwa auf die Spielorte oder verlaufen zwischen den rivalisierenden Fangruppen. Sandri war auf dem Weg zum Spiel in Parma an einer Raststätte nahe Arezzo erschossen worden, die Ausschreitungen, zu denen sich Lazio-Anhänger mit AS-Rom-Fans verabredet hatten, fanden anschließend in Rom statt.Von den Vereinen in die Stadien abgestellte Stewards, personalisierte Eintrittskarten, Drehtüren und strenge Eingangskontrollen haben die Gewalt zumindest innerhalb der Arenen verringert. Doch was tun gegen einen Mob, der einfach einen regulären Zug kidnappt, die Passagiere von ihren Plätzen verjagt oder vor dem Stadion schlägert?Stadionverbote und drastische Gefängnisstrafen, die nach den Erfahrungen im vergangenen Jahr eingeführt wurden, helfen nur bedingt gegen insgesamt 80 000 gewaltbereite Fans in Italien. Jetzt will sich die bei der Innenbehörde angesiedelte Beobachtungsstelle vorbehalten, auch anderen Fangruppen die Reise zu Auswärtsspielen zu verbieten. Eine Maßnahme, die im Fall Inter Mailand beim Saisonfinale 2008 nicht erfolgreich war. Was bleibt, ist der Ausschluss der gesamten Öffentlichkeit aus den Stadien. Das wäre die Radikalkur, auch wenn Hooligans immer einen Anlass zum Prügeln finden werden.------------------------------Foto: Die Schlimmsten der Schlimmen: Anhänger des SSC Neapel.
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