Der entscheidende Moment ist da: Die Augenbinden werden abgenommen. Ambra und Ernie schauen sich zum ersten Mal an. „Jetzt schließt die Augen wieder, für euer finales Urteil“, lautet die Anweisung des Moderators Brandon Berman. „Also: Seid ihr aneinander interessiert oder nicht?“ Ein Raunen geht durch’s Publikum.
Ernies Daumen zeigt nach oben, Ambras nach unten. Kein Match! „Tut mir leid, du bist ein süßer Typ, aber nicht für mich“, sagt Ambra entschuldigend. Doch wie sagt man so schön? The show must go on, zumindest für Ambra. Die muss ihre Augenbinde wieder aufsetzen, denn jemand aus dem Publikum hat Interesse an ihr angemeldet.
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Obwohl es eine Premiere ist, müssen die Moderatoren den Zuschauern vor Ort die Regeln der Show nicht erklären. Die Menschen, die hier sind, kennen „UpDating“ bereits von TikTok. Im Grunde sind die Spielregeln auch ganz simpel: Bei der Show aus New York treffen Singles mit verbundenen Augen auf einer Bühne vor Live-Publikum erstmals aufeinander – ein wortwörtliches Blind Date eben.
Sie müssen sich dann den Fragen des Gegenübers, des Moderators oder des Publikums stellen. Im Laufe des Events soll so herausgefunden werden, ob das Date zu einem passt oder nicht. Um das festzustellen, ist es auch erlaubt, sich zu küssen. Wer im Publikum sitzt, ist stets eingeladen zu reagieren und zu kommentieren – und kann ebenfalls Teil der Bühnenshow werden, wenn es Interesse an einem der oben sitzenden Singles gibt.
Wie funktioniert Dating in Berlin?
Es ist das erste Mal, dass Brandon Berman und Harrison Forman, Gründer und Hosts des Formats, im Columbia-Theater ihre Show veranstalten. „Wir haben uns vorher mal umgehört, wie Dating in Berlin funktioniert“, sagt Stand-up-Comedian Brandon Berman zu Beginn des Abends. „Dabei haben wir herausgefunden: Die Leute hier daten nicht. Sie machen einfach, was sie wollen.“ Vom Publikum kommt zustimmendes Gelächter. „Jemanden kennenzulernen, ist schwer. Sex zu haben, ist in Berlin hingegen einfach“, so Berman weiter. „Vielleicht ist es heute für euch wilde Berliner an der Zeit, mal ernsthaft jemanden kennenzulernen.“
Dabei handelt es sich streng genommen bei allen Kandidaten, die die Bühne betreten, gar nicht um Berliner, sondern um Zugezogene; bis auf eine. Viele Amerikaner sind vor Ort, überall unterhält man sich auf Englisch. Ambra zum Beispiel kommt aus Italien. „Unsere UpDating-Community ist sehr divers, wir haben Zuschauer in allen möglichen Ländern“, sagt Harrison Forman.
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Durch TikTok wurden die beiden Hosts mit ihrer Show international und großflächig bekannt. Auf ihrem Kanal, auf dem sie die Highlights der Shows veröffentlichen, folgen ihnen 1,1 Millionen Menschen. „Das Gute ist, dass unser Format sowohl kurz als auch lang funktioniert“, sagt Forman. „Auch die einzelnen Unterhaltungen und Szenen enthalten Pointen, die Leute zum Lachen bringen.“ Zum Beispiel der Moment, wenn die Augenbinden abgezogen werden; oder wenn der eine blinde Single gerade sagt, er stehe auf Blondinen, das Gegenüber jedoch schwarze Locken hat.
Insgesamt sind aus Hunderten Shows bisher nur zwei Paare entstanden. Das Reality-Format hat keine gute Quote, wenn es darum geht, ob sich die Teilnehmenden am Ende tatsächlich ineinander verlieben. Bei „UpDating“ geht es eben mehr um den Spaß an der Sache, Humor steht an erster Stelle.
Brandon Berman und Harrison Forman haben sich 2019 mit dem Ziel zusammengetan, eine improvisierte Comedy-Show auf die Beine zu stellen. Komik sollte im Moment entstehen, und da Forman schon früher seine eigenen Date-Erfahrungen in einem Livestream auswertete, fiel die Wahl auf das Live-Aufeinandertreffen zweier einander fremder Singles.
Authentisch und ungefiltert
Der Humor ist zugegeben gelegentlich ziemlich plump, etwa wenn mehrere Minuten auf Penisgrößen oder der Frage herumgeritten wird, wie lange Männer „es im Bett aushalten“. Wirklich respektlos wird es allerdings nie, zumindest das Gros der Leute vor Ort kann über alles lachen. Die „Daters“ sind zwar oft sehr ehrlich und direkt, manchmal auch ein wenig frech, nehmen aber gleichzeitig Zurückweisungen oder Konter auf die leichte Schulter.
„Diese ungefilterten, authentischen Momente sind genau das, was TikTok sehen will“, sagt Harrison Forman. „Und jeder findet sich in diesen First-Date-Momenten irgendwo selbst wieder.“ Das Überraschende und Unvorhersehbare in jeder Show sei das, was die Menschen am Format so begeistere.
„Ich mag Figuren, die ein bisschen schief ins Leben gebaut worden sind“
Auch in Berlin gibt es dieses Überraschungsmoment, als Felice sich aus dem Publikum meldet und angibt, sich sofort in Ambra verguckt zu haben. Doch genau wie sein Vorgänger Ernie kann auch er Ambra nicht wirklich begeistern. Bei „UpDating“ wird jedenfalls nicht lange gefackelt: Schon wird der nächste Single, Wirtschaftsstudentin Isabell, auf die Bühne gebracht. Bei Isabell und Felice stimmt dann endlich die Chemie, es kommt sogar zu einem blinden Kuss. Da kann auch Duc, der letzte Single des Tages, nicht mehr dazwischenfunken.
Auch zwischen Berlin und den beiden Moderatoren hat es gefunkt: Harrison Forman ist nach der Show sichtlich begeistert von der Stadt und ihrem Publikum. „Wir sind jetzt schon im Gespräch mit dem Columbia-Theater, wann wir das wieder machen können“, sagt er der Berliner Zeitung. „Es war ein totaler Hit, Berlin passt einfach zu der Show: Die Stadt ist jung, hip und offen.“
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