Luftfahrt

Damit es im Tank nicht funkt: Neue Wartungsvorgaben für die Boeing 777

Die US-Luftfahrtbehörde verschärft die Wartungsvorgaben für die Boeing 777. Hintergrund ist ein mögliches Zündrisiko im Kraftstoffsystem nach Blitzeinschlägen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Eine Boeing 777-300ER von Thai Airways

Eine Boeing 777-300ER von Thai Airways

© Andreas Haas/imago

Die US-Luftfahrtbehörde FAA weitet die verpflichtenden Kontrollen des Blitzschutzes an Langstreckenjets vom Typ Boeing 777 deutlich aus. Die entsprechende Anordnung tritt an diesem Dienstag in Kraft und ersetzt eine bereits im Oktober 2024 erlassene Vorgabe.

Betroffen sind nach Angaben der Behörde die Baureihen 777-200, 777-200LR, 777-300, 777-300ER und die Frachtversion 777F. Die europäische Luftfahrtbehörde Easa hat die Anordnung für in Europa zugelassene Maschinen übernommen.

Die 777 ist ein zweistrahliges Langstreckenflugzeug, das seit Mitte der 1990er-Jahre im Einsatz ist. Die Passagierversionen unterscheiden sich in Rumpflänge und Reichweite, hinzu kommt die Frachtvariante 777F. Bei den von der Anordnung erfassten Maschinen kommen Triebwerke von GE Aerospace, Pratt & Whitney und Rolls-Royce zum Einsatz.

Erdungsleitungen gegen Funken

Die bisherige Vorschrift galt nur für 777-Maschinen mit Triebwerken von GE Aerospace. Diese gelten laut Boeing als besonders gefährdet, weil sie pro Triebwerk nur eine einzige elektrische Erdungsleitung besitzen. Solche Leitungen sollen den Strom eines Blitzeinschlags gefahrlos ableiten und verhindern, dass an Kraftstoffleitungen Funken entstehen.

Maschinen mit Triebwerken von Pratt & Whitney und Rolls-Royce verfügen zwar über eine zweite Erdungsleitung als zusätzliche Absicherung. Wie die FAA nun mitteilte, ist die zugrunde liegende Bauweise jedoch dieselbe, sodass das Sicherheitsrisiko grundsätzlich bei allen Varianten besteht.

Das Fachmagazin Aviation Week berichtete Mitte September 2025, dass Boeing bei einzelnen 747- und 777-Maschinen eine mangelhafte elektrische Verbindung an bestimmten Bauteilen des Kraftstoffsystems festgestellt hatte.

Mehrere Risikoquellen

Die Anordnung schreibt regelmäßige Sichtprüfungen, Messungen des elektrischen Widerstands sowie Kontrollen der Abdichtungen an den Kraftstoffleitungen und ihren Durchführungen in den Tank vor. Nach Einschätzung der FAA könnten mehrere unentdeckte Mängel im Zusammenspiel bei einem Blitzeinschlag zu einer Zündquelle im Tank werden.

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Anlass für die Ausweitung der Kontrollen sind Boeing zufolge auch Meldungen über fehlerhafte Abdichtungen an der Boeing 747, die auch bei der 777 auftreten dürften. Nach Darstellung der FAA wird das Dichtmittel häufig zu dünn aufgetragen, deckt Bauteile nicht vollständig ab oder haftet wegen mangelhafter Reinigung der Oberflächen nicht richtig.

Wartungsanleitungen nachgebessert

Boeing habe zudem festgestellt, dass die bisherigen Wartungsanleitungen für die 777 das erneute Auftragen des Dichtmittels nach einem Bauteilwechsel nicht ausreichend beschreiben. Binnen 60 Tagen müssen die Betreiber ihre Wartungs- oder Inspektionsprogramme um die vorgeschriebenen Lufttüchtigkeitsbegrenzungen ergänzen.

Nach einem Bericht von Aviation Week sieht Boeing in zwei Mitte August 2025 veröffentlichten Serviceinformationen unterschiedliche Fristen vor. Für einen Teil der Kontrollen gilt eine Erstfrist von 90 Tagen mit jährlicher Wiederholung, für zusätzliche Prüfungen eine Frist von bis zu 39 Monaten. Die FAA übernimmt die Prüfprogramme, rechnet die Fristen aber teilweise ab einem anderen Stichtag.

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