Energieversorgung

Blockade und Schnellboote bringen Schiffsverkehr durch Straße von Hormus ganz zum Erliegen

Frankreichs Präsident Macron drängt auf eine Öffnung der Route, Energiewirtschaft und IEA warnen vor Folgen für den Gasmarkt und künftige LNG-Lieferungen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarde nähert sich in der Straße von Hormus dem beschlagnahmten Frachtschiff „Epaminondas“.

Ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarde nähert sich in der Straße von Hormus dem beschlagnahmten Frachtschiff „Epaminondas“.

© Meysam Mirzadeh/AP

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist nach wochenlangen Störungen praktisch zum Erliegen gekommen. Das berichtete der Finanzdienst Bloomberg am heutigen Sonntag. Auslöser sind die US-Blockade gegen iranische Häfen sowie Aktionen iranischer Schnellboote gegen Schiffe in der Meerenge.

Laut Bloomberg ist die Schiffspassage nach einer Woche iranischer Kanonenbootangriffe und US-Abfangaktionen nahezu leer; Teheran setze weiter kleine Kanonenboote ein, um die Durchfahrt als Reaktion auf die US-Blockade iranischer Häfen praktisch zu schließen.

Die USA verschärften zugleich ihre Blockade gegen iranische Energieexporte. Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom fing die US-Marine am Sonnabend im Arabischen Meer den sanktionierten Frachter „Sevan“ ab, der die Blockade habe durchbrechen wollen.

Das Schiff gehöre zu einer aus 19 Schiffen bestehenden Schattenflotte, die iranische Öl- und Gasprodukte auf ausländische Märkte bringe. Ein Hubschrauber vom Lenkwaffenzerstörer „USS Pinckney“ habe die „Sevan“ gestoppt; das Schiff kehre nun unter US-Begleitung nach dem Iran zurück. Seit Beginn der Blockade seien nach Angaben des US-Militärs 37 Schiffe umgeleitet worden.

Macron wirbt für Wiederöffnung

Reuters berichtete am Sonnabend, dass der französische Präsident Emmanuel Macron bei einer Pressekonferenz in Athen an der Seite des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis erklärte, er arbeite weiter auf eine vollständige Wiederöffnung der Meerenge hin.

Ziel sei eine Öffnung in den kommenden Tagen und Wochen, im Einklang mit dem Völkerrecht und ohne Gebühren für die Durchfahrt. Macron sagte laut Reuters zudem, allein die durch die geopolitische Lage ausgelöste Unsicherheit könne zu Versorgungsengpässen führen.

Nach Darstellung von Reuters haben sich mehr als ein Dutzend Staaten bereit erklärt, sich an einer von Frankreich und Großbritannien geführten internationalen Mission zum Schutz der Schifffahrt in der Meerenge zu beteiligen, sobald die Lage dies zulasse. US-Präsident Donald Trump erklärte demnach, er benötige keine Hilfe von Verbündeten.

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Meer und gilt als eine der wichtigsten Transportrouten der Weltwirtschaft. Durch die Meerenge fließt unter normalen Bedingungen rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasangebots. Auch Düngemittel und Pharmazeutika werden laut Reuters über diese Route transportiert.

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TotalEnergies warnt vor Knappheit

Auch die Energiewirtschaft warnt vor weitreichenden Folgen. Patrick Pouyanne, Vorstandsvorsitzender des französischen Energiekonzerns TotalEnergies, drängte laut Reuters am 25. April 2026 auf der World Policy Conference im französischen Chantilly, einem internationalen Forum zu Fragen globaler Politik und Ordnung, auf eine rasche Wiederöffnung der Meerenge.

Sollte die Lage zwei oder drei weitere Monate andauern, drohe eine weltweite Energieknappheit, wie sie asiatische Staaten bereits erlebten, sagte Pouyanne laut Reuters. Es sei nicht möglich, dass 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasangebots ohne erhebliche Folgen blockiert blieben.

IEA sieht globalen Gasmarkt erschüttert

Die Internationale Energieagentur (IEA), die als Beratungsorganisation der Industriestaaten Energiemärkte beobachtet, hat in ihrem jüngsten Quartalsbericht zum Gasmarkt die Folgen der Krise im Detail beschrieben. Die Störungen der Schifffahrt in der Straße von Hormus seit Anfang März hätten rund 20 Prozent des weltweiten Angebots an verflüssigtem Erdgas (LNG) vom Markt genommen und in den wichtigsten Importregionen scharfe Preisanstiege ausgelöst, heißt es im am 24. April veröffentlichten Bericht der IEA. Die Erdgaspreise in Asien und Europa erreichten demnach im März die höchsten Stände seit Januar 2023.

Die weltweite LNG-Produktion ging laut IEA im März im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent zurück. Ein deutlicher Rückgang der Exporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten sei nur teilweise durch eine höhere Förderung in anderen Regionen ausgeglichen worden. In Europa sei die Erdgasnachfrage im März um rund vier Prozent gesunken, vor allem wegen einer stärkeren Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Mehrere asiatische Länder ergriffen nach Angaben der IEA Maßnahmen, um den Gasverbrauch zu drosseln.

Auch mittelfristig rechnet die IEA mit Folgen. Schäden an LNG-Verflüssigungsanlagen in Katar dürften die erwartete Ausweitung des weltweiten LNG-Angebots um mindestens zwei Jahre verzögern. Zwischen 2026 und 2030 könnten so kumuliert rund 120 Milliarden Kubikmeter LNG-Lieferungen ausfallen. Neue Verflüssigungsprojekte in anderen Regionen dürften diese Verluste mit der Zeit ausgleichen, die Märkte blieben aber bis 2027 angespannt.

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