MONTREAL. Anderthalb Stunden nach dem größten Triumph in der jungen Teamgeschichte von BMW-Sauber verschwand der Lohn für drei Jahre Anstrengungen in einem schnöden Pappkarton. Es war für die Siegermannschaft beim Großen Preis von Kanada das vielleicht schwierigste Unterfangen, die drei wertvollen, aber recht hässlichen Vasen heil nach Hause zu transportieren. Die Pokale für den Sieger Robert Kubica, den Zweitplatzierten Nick Heidfeld und den Erfolg in der Konstrukteurswertung. Mit dem nötigen Druck und reichlich Schaumstoff versanken die Trophäen sicher im Paket.Für gelungene Problemlösungen ist das deutsch-schweizerische Team derzeit die erste Adresse. BMW-Sportdirektor Mario Theissen blieb nach dem ersten Sieg der Teamhistorie - und das gleich doppelt - erstaunlich nüchtern. "Wir haben einen Meilenstein erreicht. - Wir denken jetzt nur ans nächste Rennen. - Robert ist aus dem Holz geschnitzt, aus dem Champions sind. - Nick hat eine sehr gute Vorstellung abgeliefert", klang es aus seinem Mund.Seit dem ersten Sieg der Münchner in der Formel 1, damals noch als Motorenhersteller, vergingen 26 Jahre, es siegte Nelson Piquet im Brabham - auch in Kanada. Der bis dato letzte Sieg eines BMW-Motors ist datiert auf Oktober 2004, noch für BMW-Williams. Zum ersten Mal seit 24 Rennen siegten nicht McLaren-Mercedes oder Ferrari. Und die deutsche Nationalhymne, die zu Ehren des Konzerns erklang, setzte sich auch bei Theissen als "sehr spezieller Moment" fest. BMW-Sauber ist auf die Erfolgsspur eingebogen. Der Ingenieur weiß, dass dieser Erfolg, auch wenn er von der internen Marschroute für diese Saison zwingend vorgesehen war, neue Begehrlichkeiten weckt.Null-Fehler-Jobs am StückBMW scheint gut gerüstet, und Robert Kubica, der nur 29 Anläufe für den ersten Sieg brauchte, ist das ideale Gesicht für diese Mentalität. Der Pole will alles, tut alles, und ihm glückt derzeit so ziemlich alles: "Dazu gehört, dass er sich nicht von seinem Weg abbringen lassen will", sagte Theissen und ist sich sicher: "Robert wird morgen nicht anders aufstehen als heute. Er wusste, dass der Sieg passieren kann. Jetzt ist es passiert - und basta." Null-Fehler-Jobs am Stück zu leisten, das hat der 23-Jährige derzeit allen Favoriten voraus und deshalb steht er jetzt an der Spitze des WM-Gesamtklassements. Für das blau-weiße Team allerdings könnten sich die Prioritäten noch einmal verschieben. Geplant war, bereits in den nächsten Wochen den Schwerpunkt in der Rennfabrik auf das Auto für 2009 zu legen. Jetzt, da man in der Konstrukteurs-WM nur drei Zähler hinter Ferrari liegt und Kubica die Fahrer-Wertung anführt, könnte sich das hinauszögern: "Alle im Team haben Blut geleckt. Wir müssen das Auto schneller machen, und die Arbeitsweise und die Zuverlässigkeit beibehalten", so Theissen.Im Wettrüsten sind die Gegner Ferrari und McLaren numerisch und finanziell im Vorteil, aber das schreckt den BMW-Motorsportdirektor nicht: "Wir waren auch in den letzten zweieinhalb Jahren das kleinste Team, und haben den Rückstand verkleinert. Ich sehe keinen Grund, dass unsere Leistungskurve abbricht." Kubica zeigte sich mindestens so humorvoll wie fokussiert: "Ich möchte mich bei Lewis bedanken, dass er auf Kimi aufgefahren ist, und nicht auf mich."Ein Anfängerfehler in der 20. Runde, als während der Safety-Car-Phase alle zum Nachtanken an die Box kamen, kostete Lewis Hamilton den Sieg und viel Renommee: Der Brite bretterte an der rotblinkenden Boxenampel von hinten auf Kimi Räikkönens Ferrari. Kubica blieb, gleichauf mit dem Finnen, auf der rechten Spur verschont. Für diesen Lapsus, der ihm auch in den heimischen Zeitungen Hohn und Spott einbrachte, wurde Hamilton von den Rennstewards bestraft: Er und Nico Rosberg, der auf ihn drauffuhr, werden beim nächsten Rennen um zehn Startplätze nach hinten gesetzt. Opfer Räikkönen, vor zwei Wochen noch selbst Verkehrssünder, höhnte: "Jeder kann Fehler machen, so wie ich vor zwei Wochen in Monaco. Aber es ist eine Sache, einen Fehler bei 200 Stundenkilometern zu machen, und eine andere, in einen an der roten Ampel stehenden Wagen zu fahren."Robert Kubica konnte das ziemlich egal sein. Sein Auto blieb heil, und der 23-Jährige geht in die Formel-1-Geschichte als erster polnischer Grand-Prix-Sieger ein. Vielleicht ist auch mehr drin. "Wenn du nach sieben Rennen die WM anführst, dann hast du ein Auto, mit dem du gewinnen kannst", meinte Kubica optimistisch.------------------------------Foto: Historische Sektdusche: die BMW-Sauber-Piloten Robert Kubica (l.) und Nick Heidfeld.
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