BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld absolviert im achten Jahr in der Formel 1 seine beste Saison

Warten auf die Hymne

Klaus Wolf
4 Min

NÜRBURGRING. Vom Wetter darf er keine Hilfe erwarten. "Am Sonntag soll es schön sein. Das ist schade, Regen wäre mir lieber gewesen", sagt Nick Heidfeld und meint es trotz aller Lockerheit recht ernst. Also auch diesmal keine Unterstützung von oben für den 30-jährigen BMW-Sauber-Piloten beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring. Am Freitag, beim Freien Training, bei dem Heidfeld die viertbeste Zeit erzielte, kamen zwar ein paar heftige Schauer hernieder, doch die Formel-1-Piloten fanden bei ihren Runden eine trockene Piste vor. "Nick ist der beste Regenfahrer im Feld", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Auch er bedauert die Wettervorhersage.Bis voriges Jahr galt ja Michael Schumacher als der sogenannte Regenkönig der Branche. Heidfeld beerbt ihn nun, doch sein Nachfolger ist er noch lange nicht. Ein Vergleich mit dem siebenmaligen Weltmeister, der übrigens am Sonntag auf dem Ring eine Kurve namens "Michael-Schumacher-S" einweihen wird, verbietet sich natürlich von selbst. Doch auf Heidfeld ruhen derzeit die meisten Hoffnungen der deutschen Fans. Ralf Schumacher befindet sich, sportlich gesehen, im freien Fall, Nico Rosberg chauffiert ein recht anfälliges Auto, und die Spyker-Piloten Adrian Sutil und Markus Winkelhock streiten darum, nicht Letzter zu werden.Bleibt also Nick Heidfeld. Der gebürtige Mönchengladbacher, der jetzt in der Schweiz lebt, absolviert im nun achten Jahr in der Königsklasse seine beste Saison. Bisher galt er als unvollendetes Talent, nun rühmt Teamchef Mario Theissen seine fahrerischen Qualitäten und sein technisches Verständnis.Titel außer ReichweiteDoch Heidfeld ist realistisch genug, die derzeitigen Möglichkeiten einzuschätzen: "Wir sind die dritte Kraft hinter McLaren-Mercedes und Ferrari, und das wollen wir auch bleiben. Normalerweise geht es für mich um Platz fünf, wenn die anderen durchkommen. Aber das ist nicht so schlimm, ich bin in meiner Karriere auch schon um Platz zehn gefahren." Ausreißer nach oben wie Platz zwei beim Großen Preis von Kanada in Montreal gab es in dieser Saison schon, doch Rang fünf in der WM-Wertung spiegelt den wahren Stand durchaus wieder.Natürlich träumt Quick Nick, wie er in der Branche heißt, von Siegen und dem WM-Titel. Doch beides scheint für den schnellen Nick derzeit außer Reichweite zu sein. Er bestreitet am Sonntag mittlerweile seinen 125. Grand Prix, und noch nie wurde die Hymne für ihn gespielt. Am nächsten dran war er vor zwei Jahren, ausgerechnet hier auf dem Nürburgring, als er das einzige Mal auf der Pole Position stand und als Zweiter im Ziel abgewunken wurde. Droht ihm etwa ein Schicksal wie dem Italiener Andrea de Cesaris, der nach 208 sieglosen Rennen seine Karriere beendete und damit so etwas wie einen Rekord hält? "Wenn ich nicht an Siege glauben würde, brauchte ich nicht zu fahren", entgegnet Heidfeld. Er wirkt ziemlich gelassen vor seinem Heimrennen. Und das verwundert schon ein bisschen. Denn er steht kurz davor, zum zweiten Mal Vater zu werden, am Mittwoch ist der Termin. "Hoffentlich passiert nichts während des Rennens", sagt er. Ob Junge oder Mädchen, wisse er nicht, nur eines ist sicher: "Jetzt habe ich auf meinem Helm den Fingerabdruck meiner Tochter Juni. Bald habe ich zwei." Ungewiss wie das Geschlecht des Babys stellt sich derzeit auch die Zukunft beim BMW-Team dar. "Ich würde gern bleiben", sagt Heidfeld, "weil ich glaube, hier gibt es die beste Strategie für die Zukunft."Intern heißt es, man verhandle vor allem über die Dauer der Vertragslaufzeit. BMW will ihn angeblich nur für ein Jahr binden. Teamchef Mario Theissen mag darüber nicht reden. Nur so viel: "Wir haben uns bei den Gesprächen der gegenseitigen Wertschätzung versichert." Keine Frage, ein Podestplatz auf dem Nürburgring könnte die Wertschätzung weiter steigern. Und vielleicht hilft ja doch noch der große Regen. Auch wenn die Wetterprognose etwas anderes sagt.------------------------------"Ich bin auch schon um Platz zehn gefahren." Nick Heidfeld------------------------------Foto: Auf ihm ruhen die Hoffnungen der deutschen Zuschauer: BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld auf dem Nürburgring.

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