Theater

Coole Werbeaktion: Warum am Plauener Theater die Bobbycars rollen

Außergewöhnliche Aktion am Freitagnachmittag in der Innenstadt: Kinder und Schauspieler des Theaters Plauen-Zwickau rasten auf Bobbycars über den Theaterplatz.

Ingo Eckardt
Ingo Eckardt
3 Min
Der kleine Taro aus Plauen ließ Schauspieler Daniel Koch keine Chance beim Plauener Bobbycar-Rennen am Freitag. Die Aktion wirbt für die Premiere des Stückes "Jeep" am Vogtlandtheater Plauen.

Der kleine Taro aus Plauen ließ Schauspieler Daniel Koch keine Chance beim Plauener Bobbycar-Rennen am Freitag. Die Aktion wirbt für die Premiere des Stückes "Jeep" am Vogtlandtheater Plauen.

© Ingo Eckardt

Wie wäre es eigentlich, wenn Eltern nicht mehr ihren Kindern einen Nachlass vererben würden, sondern immer eine Verlosung vorgenommen würde, wer von einem Erbe profitiert? Taugt das als Chance, dass die großen Vermögensunterschiede in unserem Land egalisiert werden? Um diese Themen dreht sich eine bitterböse, schwarze Komödie, die im Plauener Theater am 24. September Premiere feiert.

Um auf diese Neuinszenierung von „Jeeps“ hinzuweisen, ließen die Theatermacher am Freitag auf dem Plauener Theaterplatz die Bobbycars und sogar ein elektrobetriebenes Mercedes-SUV rollen. Carolin Eschenbrenner, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit am fusionierten Theater Plauen-Zwickau, hatte gut lachen, warb mit dem Schauspiel-Team unter Unterstützung des örtlichen Mercedes-Händlers für die Premiere.

Luise Curtius, Dramaturgin des Stückes, erzählt, dass in dem Stück durchaus ganz schön viel über Autos geredet wird. Aber eigentlich geht es – im Lichte der nach wie vor offenen Gesetzgebung zum Thema Erbschaftsteuer – darum, einmal die skurrile Fiktion einer Verlosung von Nachlässen zu thematisieren. „2021 wurde das Stück in München uraufgeführt, wir haben es sprachlich und inhaltlich an die heutige Realität angepasst. Wir reden über arm und reich, ein bisschen auch über die Utopie des bedingungslosen Grundeinkommens und die Frage, ob das taugt, um die großen Vermögensunterschiede zu glätten“, so die Dramaturgin am Rande des lustigen Bobbycar-Events.

Mit Glück zum Wohlstand anderer – eine linke Idee?

Die Idee, dass ein Erbe grundsätzlich an den Staat zurückgeht und dass jeder mit Glück zu Wohlstand kommen könnte, ist natürlich provokant. Auch ob so etwas eigentlich praktikabel wäre, wird beleuchtet. Und es wird die Frage gestellt, inwieweit wir wirklich bereit sind, etwas abzugeben. „Wir wollen zum Nachdenken anregen, auch über Gerechtigkeit und den persönlichen Beitrag, den man bereit ist zu leisten. Und zwar ohne irgendwelche Beschuldigungen aufzumachen“, erklärt Luise Curtius.

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Regisseur Fabian Raabe erläutert, dass er die vier Figuren – eine Langzeitarbeitslose, eine Enterbte und zwei Jobcenter-Mitarbeiter – durchaus so inszeniert hat, wie es die Autorin Nora Abdel-Massoud in ihrem Stück vorgesehen hat. „Der Erzählstrang kippt immer wieder aus dem eigentlichen Thema raus. Irgendwie sind alle Figuren so richtige Arschlöcher, haben aber auch berechtige Bedürfnisse. Es ist kein typisch linkes Stück über Gerechtigkeit. Wir zeigen, dass es sehr schwer ist, einfache Lösungen für so ein Thema zu finden“, so Raabe.

Auch Regisseur Fabian Raabe und seine Schauspielkollegin Johanna Franke gaben auf der Rennstrecke der Bobbycars Gas.

Auch Regisseur Fabian Raabe und seine Schauspielkollegin Johanna Franke gaben auf der Rennstrecke der Bobbycars Gas.

© Ingo Eckardt

Und während er erzählt, rasen Schauspieler Daniel Koch und der kleine Taro aus Plauen auf den Bobbycars den Theaterplatz hinab und kleiner Spoiler – Kinder tun sich mit ihren kurzen Beinen auf diesen Spielgeräten definitiv leichter als Erwachsene. In jedem Fall hat sich diese Werbeaktion aus Sicht der Theaterleute gelohnt. Ohne ganz großen Aufwand konnte man auf ein Stück aufmerksam machen, das ein gesellschaftlich bewegendes Thema aufgreift.

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