BERLIN. Die Europäer und insbesondere Deutschland haben sich gegenüber dem Irak bisher zurückgehalten. Es gibt weder eine gemeinsame, noch überhaupt eine Strategie. Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen hatte bereits im Oktober letzten Jahres, kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen, eine Studie in Auftrag gegeben: "Was können die Europäer im Irak tun?" Die Studie wurde gestern zuerst in einem kleinen Kreis von Experten, am Abend bei einer Veranstaltung im Haus der Böll-Stiftung in Berlin in Anwesenheit der Autoren vorgestellt. Der Zeitpunkt passte: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist gerade unterwegs in den Irak.Es sei höchste Zeit, dass die Europäer sich im Irak engagieren und in enger Kooperation mit den Amerikanern ihren Beitrag zur Sicherung der Stabilität dort leisten, sagte Daniel Serwer vom US-Institute of Peace. Serwer nennt einige Empfehlungen der Studie: Die EU sollte einen Sonderbeauftragten für den Irak ernennen, ein Maßnahmepaket für das gemeinsame Vorgehen schnüren sowie ihre Kompetenz beim Aufbau staatlicher Institutionen einbringen. Neue Entwicklungen im Irak würden den Boden für dieses Engagement bereiten. Allerdings richte sich der Fokus der US-Regierung stärker auf Afghanistan: Kabul und Bagdad würden daher künftig um internationale Unterstützung konkurrieren.Layla Al-Zubaidi vom Büro der Böll-Stiftung in Beirut weist auf das irakische Flüchtlingsproblem hin. Bisher sei die EU nicht bereit gewesen, sagt sie, zu dessen Lösung etwas Entscheidendes beizutragen.Einigkeit herrscht bei Autoren und Experten darüber, dass Europa zur Stabilisierung des Irak etwas beitragen kann. Skepsis überwiegt, ob die Europäer etwas tun wollen - und zwar gemeinsam. (doe.)
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