BONN, 28. Mai. Dramatik wollte Torsten Albig beim besten Willen nicht erkennen. Wenn der Bund seine milliardenschweren Telekom-Anteile offiziell an der Börse zulasse, sei dies "ein rein technischer Vorgang", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Börsianer versetzte der am Freitag bekanntgegebene Schritt indes in Verzückung: Gleich um ein Zehntel schoß der Kurs der T-Aktie nach oben und kratzte an der Marke von 39 Euro (gut 76 Mark). Genau das hatte der Bund als Mehrheitsaktionär des Ex-Monopolisten gewollt, um der Telekom vor dem zweiten Börsengang einen Schub zu verpassen und bei den Anteilseignern die Kasse klingeln zu lassen. "Bewußter Schritt der Telekom""Das ist ein bewußter Schritt, um der Telekom bei der Kapitalerhöhung eine bessere Ausgangsposition zu geben", sagte der Sprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Matthias Frittorn. Die Zahlen klingen imposant: Waren die Telekom-Anteile des Bundes und der Kreditanstalt für Wiederaufbau nach dem Schlußkurs des Parketthandels vom Donnerstag fast 61,6 Milliarden Euro (120,4 Milliarden Mark) wert, kletterte der Kurs mit den Sprüngen vom Freitag auf mehr als 67,9 Milliarden Euro (knapp 132,8 Milliarden Mark). Die Wertsteigerung haben die Hauptaktionäre zumindest bis Ende des Jahres, aber nur auf dem Papier, denn Kreditanstalt und Bund haben sich per Gesetz verpflichtet, frühestens im kommenden Jahr zu verkaufen. Doch mit der Zulassung der mehr als 1,74 Milliarden "alten" T-Aktien an den Börsen steigt die Telekom in einem Streich ab dem 18. Juni zum größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands auf. Für zahlreiche internationale Anleger wird der Besitz von Telekom-Anteilen spätestens jetzt zu einem Muß. Die Aktie hält im immer noch wichtigsten Börsenbarometer Dax mit knapp 13 Prozent Gewicht künftig den Spitzenplatz. Auch im Euro Stoxx 50 aus den wichtigsten Aktiengesellschaften der Euro-Zone dürfte die T-Aktie künftig eine noch größere Rolle spielen. Und wer als Großanleger Telekom-Aktien besitzt, kann über die wichtige Rolle des Papiers in Dax und Euro Stoxx 50 gleich einen ganzen Markt mitbewegen. Die Spitzenposition habe den Vorteil, daß die indexorientierten Fonds jetzt zugriffen, sagte Robert Halver vom Bankhaus Delbrück in Frankfurt: "Selbst die, die gar keine Telekom-Aktien kaufen wollten, müssen das jetzt tun." Neugewonnene GrößeDurch die neugewonnene Größe dürfte die Telekom auch ihre wegen der verlorenen Übernahmeschlacht um Telecom Italia frustrierten Kleinaktionäre besänftigen. Konzernchef Ron Sommer kann beherzter den zweiten Börsengang anpeilen, der gerade mal eine Woche nach der Zulassung der Bundes-Aktien über die Bühne gehen soll. Bis zu 256,3 Millionen junge T-Aktien ließ sich Sommers Haus für diesen zweiten Börsengang genehmigen; damit flössen gemessen am Höchststand des Kurses vom Freitag fast zehn Milliarden Euro in die Kassen des Branchenriesen. Für die Telekom ergebe sich seit Freitag eine "deutliche Verbesserung der Situation", sagt KfW-Sprecher Frittorn zufrieden. Auch sein Haus profitiert: Noch hält die in Frankfurt am Main sitzende Kreditanstalt für Wiederaufbau im Auftrag des Bundes 23,8 Prozent an der Telekom. Erst 26 Prozent des Unternehmens werden an der Börse gehandelt. Den Rest der Anteile hält der Bund direkt. Wie lange noch, wollen die Bonner nicht verraten. Die Zulassung an der Börse jedenfalls "bindet uns in keinster Weise", sagte Ministeriumssprecher Albig vielsagend. (wim./AFP)
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