Der russische Leitindex IMOEX2 der Moskauer Börse ist am Donnerstag erstmals seit dem 20. Dezember 2022 unter die Marke von 2100 Punkten gefallen. Um 07.15 Uhr Moskauer Zeit notierte der Index nach Handelsdaten der Börse bei 2084,51 Punkten und damit 1,3 Prozent im Minus, wie die Agentur TASS meldete.
Als Belastungsfaktoren nannte die russische Nachrichtenagentur Interfax geopolitische und Sanktionsrisiken, Dividendenabschläge mehrerer Unternehmen sowie einen gesunkenen Ölpreis. Am stärksten verloren nach Interfax-Angaben die Titel des Reedereikonzerns Sowkomflot mit 5,6 Prozent und des Ölförderers Surgutneftegas mit 5,3 Prozent, jeweils nach dem Dividendenabschlag.
Die Ukraine greift im Krieg mit Russland seit Monaten gezielt Raffinerien und Export-Terminals an. Gegen von Washington und Brüssel der russischen Schattenflotte zugerechnete Tanker richtet sich eine ganze Reihe westlicher Strafmaßnahmen.
Sanktionsdrohung aus dem US-Senat
Zusätzlichen Druck übt nach Einschätzung des Analysten Igor Dodonow vom russischen Brokerhaus Finam ein im US-Senat diskutierter Gesetzentwurf aus, der neue Beschränkungen gegen die russische Zentralbank sowie die Großbanken Sberbank, VTB und Gazprombank vorsieht.
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Der Entwurf würde US-Präsident Donald Trump zudem ermächtigen, Zölle von bis zu 100 Prozent gegen die Hauptabnehmer russischer Energieträger zu verhängen. Ob und in welcher Form das Gesetz verabschiedet werde, sei offen, so Dodonow gegenüber Interfax. Die Unsicherheit halte die Anspannung am Markt jedoch hoch.
Weiterer Rückgang nicht ausgeschlossen
Das Brokerhaus Alor warnte laut dem russischen Finanzportal RBC Investitionen vor einem weiteren Rückgang. Dividendenabschläge in der kommenden Woche könnten den Index um drei bis vier Prozent belasten und Verkäufe größerer Anleger auslösen. Analysten der Investmentbank Sinara verwiesen auf eine anhaltend schwache Nachfrage nach russischen Aktien.
Das Brokerhaus PSB hält wegen möglicher tiefer postdividendenbedingter Rückgänge einen Fall auf 1800 bis 2000 Punkte für möglich. Sinara beziffert den fairen Indexstand zum Jahresende 2026 auf 2850 Punkte; auf den heutigen Wert abgezinst entspreche das rund 2600 Punkten.
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