Richtungswahl

Bolsonaro liegt vor Lula – Brasilien entscheidet jetzt in Stichwahl

Flávio Bolsonaro hat Amtsinhaber Lula im ersten Wahlgang überholt. Vor der Stichwahl stehen Wirtschaft, Sicherheit und die politische Richtung Brasiliens im Fokus.

3 Min
Eine Kundgebung für Flávio Bolsonaro am 7. September in São Paulo. Der rechte Präsidentschaftskandidat tritt in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Lula an.

Eine Kundgebung für Flávio Bolsonaro am 7. September in São Paulo. Der rechte Präsidentschaftskandidat tritt in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Lula an.

© Marina Uezima/imago

Der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro hat bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien überraschend vor Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gelegen. Nach Angaben der brasilianischen Tageszeitung Folha de S.Paulo kam Bolsonaro bei nahezu vollständiger Auszählung auf 47,03 Prozent der gültigen Stimmen, der linke Präsident auf 45,16 Prozent. Beide treten am 25. Oktober zur Stichwahl an.

Da keiner mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhielt, bleibt die Entscheidung über die Führung der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas offen. In den letzten Umfragen hatte Lula noch knapp vorne gelegen.

Zwei politische Richtungen

Der 45-jährige Bolsonaro ist der Sohn des früheren rechten Präsidenten Jair Bolsonaro. Er steht für die Rückkehr des rechten Lagers an die Macht, eine unternehmensfreundliche Wirtschaftspolitik und eine engere Bindung an die USA. Nach Angaben der Associated Press wirbt er mit dem Kampf gegen Korruption und möglichen Vereinbarungen mit Washington über seltene Mineralien.

Bolsonaro bezeichnet sich als gemäßigt. Zugleich kündigte er laut AFP an, als Präsident bis zu vier der elf Richter des Obersten Gerichtshofs ernennen zu können. Sein Vater wurde wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilt und steht unter Hausarrest.

Der 80-jährige Lula strebt seine vierte Amtszeit an. Der Politiker der Arbeiterpartei PT steht für Sozialprogramme, Armutsbekämpfung und eine aktive Rolle des Staates. Außenpolitisch betont er Brasiliens Eigenständigkeit. Im Wahlkampf warnte er vor einer Einmischung der USA. Seine Partei belastet zugleich die Erinnerung an frühere Korruptionsskandale.

Brasiliens Präsident Lula spricht nach dem ersten Wahlgang am 4. Oktober in São Paulo. In der Stichwahl trifft er auf Flávio Bolsonaro.

Brasiliens Präsident Lula spricht nach dem ersten Wahlgang am 4. Oktober in São Paulo. In der Stichwahl trifft er auf Flávio Bolsonaro.

© Brazilian Presidency/Handout/Anadolu/imago

Lebenshaltungskosten und Kriminalität

Zu den wichtigsten Themen im Wahlkampf gehören nach einem Bericht von Reuters hohe Lebenshaltungskosten, die Verschuldung vieler Haushalte und Kriminalität. Obwohl Arbeitslosigkeit und Ungleichheit zurückgingen, konnte Lula die Unzufriedenheit vieler Wähler nicht überwinden. Bolsonaro profitiert auch von der Ablehnung der PT.

Der Schutz des Amazonas-Regenwaldes ist international von großer Bedeutung, spielte laut AFP im Wahlkampf aber kaum eine Rolle. Nach Angaben von AP strebt Lula bis zum Jahr 2030 eine Nettoentwaldung von null an. Bolsonaro verspricht, die illegale Abholzung bis zum Jahr 2029 zu beenden. Lulas Vorgabe betrifft somit die Gesamtbilanz, Bolsonaros Zusage illegale Rodungen.

Lula räumt Überraschung ein

Lula nannte das Ergebnis laut AFP „unerwartet“, zeigte sich aber zuversichtlich für die Stichwahl. Bolsonaro erklärte sich „sehr zufrieden“ mit seinem Vorsprung. Sein rechtes Lager gewann auch bei den parallelen Parlamentswahlen hinzu.

Für die nächsten drei Wochen müssen beide Kandidaten zusätzliche Wähler gewinnen. Das knappe Ergebnis lässt die Entscheidung offen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner