Debatte

Boris Palmer: Markus Lanz ist kein Rassist

Boris Palmer hat sich in die Toni-Kroos-Debatte eingeschaltet. Er sagt, es stimme, dass sich das Sicherheitsgefühl der Deutschen verschlechtert hätte.

Tomasz Kurianowicz kuri
4 Min
Boris Palmer, parteiloser Oberbürgermeister von Tübingen

Boris Palmer, parteiloser Oberbürgermeister von Tübingen

© dpa

Boris Palmer, parteiloser (ehemals bei den Grünen) Bürgermeister von Tübingen, hat sich in die Debatte um Aussagen von Fußballspieler Toni Kroos eingemischt, der im ZDF-Podcast „Lanz und Precht“ Bedenken über sein Sicherheitsgefühl in Deutschland geäußert hat. In einem Facebook-Post kommentierte Palmer den Text eines taz-Journalisten, der Kroos, Precht und Lanz implizit eine rassistische Denkweise unterstellt. Zum Hintergrund: Kroos hat im Podcast gesagt, dass das Deutschland von heute mit dem Deutschland von vor zehn Jahren nicht mehr zu vergleichen sei. Mit Blick auf seine Wahl, wo er mit seiner Familie und seinen Töchtern leben möchte, würde er Spanien bevorzugen, wo er sich sicherer fühlen würde. Viele Kommentatoren interpretierten die Aussagen so, dass die wachsende Migration nach Deutschland die Sicherheitslage in Deutschland verschärft hätte.

Boris Palmer dazu: „@Kroos hat recht und Lanz ist kein Rassist. Wer Probleme mit Sicherheit und Migration anspricht, kann nur ein Rassist sein. Wenn das nun ausgerechnet jemand tut, der offensichtlich in einer äußerst diversen Nationalmannschaft für den Zusammenhalt einer erfolgreichen Gemeinschaft steht und deswegen ganz schlecht als Rassist diffamiert werden kann, dann muss man den Rassismusvorwurf auf diejenigen anwenden, die ihn dazu verführt haben, das Offensichtliche auszusprechen. Zu der Aussage über ein schwindendes Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum gibt es objektive Daten. Die Stiftung lebendige Stadt hat nach den großen Umwälzungen des Jahres 2015 die Frage gestellt, wie sich das Sicherheitsgefühl der Menschen im Land entwickelt hat. Antwort: Es hat dramatisch abgenommen. Und dafür keine Ursachen zu erkennen, ist nur möglich, wenn man mit verschlossenen Augen durch Parks, Züge, Einkaufsstraßen, Kneipenviertel oder Bahnhofsvorplätze geht. Wir haben kurz zuvor in Tübingen eine ähnliche Befragung der Bürger gemacht. Mit einem absolut deckungsgleichen Ergebnis. Diese Befunde über viele Jahre zu ignorieren und die Debatte mit der Rassismuskeule zu unterbinden, ist ein wesentlicher Grund für den Aufstieg der AfD bei jungen Menschen. Denn für diese ist der Wiedereinzug von Gewalt in den öffentlichen Raum durch eine klar definierbare Gruppe von Migranten am stärksten spürbar. Um Toni Kroos abgewandelt zu zitieren: Das sind Tunichtgute, die wir viel zu wenig in die Schranken weisen.“

Statistisch lässt sich eine Zunahme von Straftaten in der Breite in Deutschland nicht nachweisen, wie die Anzahl der polizeilich erfassten Straftaten in Deutschland von 1987 bis 2023 zeigt. Im Jahr 2003 wurden etwa 6,5 Millionen Straftaten gezählt, 2023 etwa 6 Millionen Straftaten. Was aber stimmt, ist, dass eine Zunahme von Straftaten seit Corona nachzuweisen ist (2019: 5,4 Millionen Straftaten).

Wenn man ChatGPT die Frage stellt: „Hat sich die Kriminalitätsstatistik in den vergangenen zehn Jahren wegen der zunehmenden Migration in Deutschland verschlechtert?“, kommt folgende Antwort: „Die Kriminalitätsstatistik in Deutschland zeigt insgesamt einen Rückgang der registrierten Straftaten in den letzten zehn Jahren. Obwohl es in bestimmten Deliktbereichen eine erhöhte Beteiligung von Zuwanderern gibt, lässt sich daraus nicht ableiten, dass die Zunahme der Migration zu einer generellen Verschlechterung der Kriminalitätslage geführt hat. Die Ursachen für Kriminalität sind vielfältig und umfassen soziale, wirtschaftliche und kulturelle Faktoren. Eine differenzierte Betrachtung und der Einsatz präventiver Maßnahmen zur Integration sind entscheidend, um Kriminalität zu verhindern und die Sicherheit in der Gesellschaft zu gewährleisten.“

Zu Straftaten von Migranten sagt ChatGPT: „Die PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik, Anm. d. Red.) erfasst auch die Kriminalität von Zuwanderern, zu denen Asylbewerber, Schutzsuchende und Geduldete zählen. Statistiken zeigen, dass diese Gruppen in bestimmten Deliktbereichen überrepräsentiert sind, was aber auch auf spezifische soziodemografische Faktoren zurückzuführen sein kann, wie Alter, Geschlecht und sozioökonomischer Status.“

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Außerdem gibt es den Punkt „Mediale Wahrnehmung und Berichterstattung“. Dort heißt es: „Die mediale Berichterstattung über Straftaten von Zuwanderern kann die öffentliche Wahrnehmung verzerren. Einzelne spektakuläre Fälle erhalten oft viel Aufmerksamkeit, während die allgemeine Entwicklung der Kriminalitätszahlen weniger Beachtung findet.“

Interessant ist, dass sich in Umfragen zeigt, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Deutschen abnimmt. Das schreibt etwa die Tageszeitung Die Welt: „40 Prozent der Deutschen fühlen sich im öffentlichen Raum unsicher. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nimmt drastisch ab, das zeigt der Deutschlandtrend. Es gibt starke Unterschiede nach Parteipräferenz, eine große Mehrheit der Ampel-Anhänger fühlt sich sicher.“

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