Das havarierte Schiff heißt „Seeadler“ und gehört zu der Flotte der Apollo GmbH Fahrgastreederei, die ihren Sitz in Peenemünde auf der Insel Usedom hat. Das Schiff hatte 47 Ausflügler für einen mehrstündigen Aufenthalt auf die Greifwalder Oie gebracht, die Insel, die rund zehn Kilometer vom Festland entfernt liegt. Während die Passagiere und der Kapitän bei einer Inselführung waren, kehrte die Decksfrau allein zum Schiff zurück und bemerkte gegen 13:30 Uhr Feuer an Bord.
Ein technischer Defekt – vermutlich ein Kurzschluss – hatte auf der Brücke eine Kettenreaktion ausgelöst: Das Brückenpult geriet in Brand und setzte gleichzeitig eigenständig die Hauptmaschine des Schiffes in Gang. Zudem drang dichter, weißer Qualm aus dem Abluftrohr des Maschinenraums. Die Decksfrau reagierte sofort. Sie bekämpfte die Flammen auf der Brücke eigenhändig mit einem Feuerlöscher und eilte zur nahegelegenen Station der Seenotretter, um Unterstützung anzufordern.
David Harder, Vormann des auf der Insel stationierten Seenotrettungskreuzers „Berthold Beitz“, eilte kurzerhand mit einem Feuerlöscher mit dem Fahrrad zum Hafenbecken. Um den unkontrolliert laufenden Antrieb zu stoppen, schloss er die Schnellschlussventile der Brennstoffzufuhr. Gemeinsam mit der Schiffscrew riegelte er zudem das Abluftrohr des Maschinenraums ab, um dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen.
Feuerwehrleute setzten mit Seenotrettungsbooten über
Da die Greifwalder Oie schwer erreichbar ist, brachten drei Seenotrettungsboote aus Zinnowitz, Lauterbach und Freest insgesamt 17 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Freest-Kröslin und Lubmin auf die Insel. Die Feuerwehrleute mussten jedoch nur noch kontrollieren, ob alle Glutnester endgültig gelöscht waren.
Die Decksfrau hatte sich bei ihrer Rettungsaktion eine leichte Rauchgasvergiftung zugezogen. Sie wurde mit einem Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung vorsorglich in ein Krankenhaus geflogen. Die Passagiere bekamen von dem Rettungseinsatz nichts mit. Sie blieben allesamt unversehrt und wurden durch ein Ersatzschiff der Reederei am Abend sicher zurück aufs Festland gebracht. Der Sachschaden am Schiff wird von der Wasserschutzpolizeiinspektion Wolgast auf 3.000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur genauen Brandursache aufgenommen. (mit dpa)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]