Die deutschen Sicherheitsbehörden sind bei der Aufklärung mehrerer Brandanschläge auf die Berliner Strominfrastruktur nach eigener Einschätzung entscheidend vorangekommen. Das berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Im Zentrum der Ermittlungen stehen zwei Angriffe: ein Anschlag im September 2025 auf den Technologiepark Adlershof sowie ein Angriff im Januar dieses Jahres im Berliner Südwesten, der rund 100.000 Menschen ohne Strom ließ.
Nach Angaben der Zeitung richten sich die Ermittlungen gegen vier szenebekannte Linksextremisten aus dem Umfeld der Vulkangruppen im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren – zwei Männer und zwei Frauen. Ihnen wird eine Beteiligung am Anschlag vom September 2025 vorgeworfen. In Sicherheitskreisen werde inzwischen davon ausgegangen, dass sich die Mitglieder der beteiligten Sabotagezellen jeweils kennen, auch wenn die Verfahren noch getrennt geführt würden.
Anschlag der „Vulkangruppe“ auf Berliner Stromversorgung: Das Bekennerschreiben im Wortlaut
Großrazzia im März
Ende März durchsuchten laut Bericht 500 Polizeibeamte zeitgleich 15 Objekte in Berlin sowie weitere Adressen in Hamburg, Düsseldorf und Brandenburg. Sichergestellt wurden Mobiltelefone, Laptops und weitere Datenträger. Gefunden wurden zudem elektronische Geräte zur Ortung von Kameras, Wanzen und Mikrofonen.
Einer der Verdächtigen war zuvor in Bayern Gegenstand von Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft München im Umfeld des anarchistischen Magazins „Zündlappen“. Das Landgericht München lehnte im Dezember 2025 eine Anklage mangels Beweisen ab. Der Anwalt einer Beschuldigten wies die Vorwürfe gegenüber der Zeitung zurück. Die Ermittlungsakte ergebe keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine „strafbare Beteiligung“ seiner Mandantin.
Rechtsmittel verzögern Auswertung
Ein Zugriff ist bislang ausgeblieben. Nach Informationen der Welt am Sonntag haben die Betroffenen der Razzia Rechtsmittel gegen die Durchsuchungsbeschlüsse und die Sicherstellung der Datenträger eingelegt. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin bestätigte den Vorgang und teilte mit, die Rechtsmittel hätten keine aufschiebende Wirkung. Aus Ermittlerkreisen heißt es dagegen, das Bundeskriminalamt könne derzeit nicht auf die Daten zugreifen.
Auch im Verfahren zum Anschlag vom Januar verfolge das BKA inzwischen konkrete Spuren gegen namentlich bekannte Tatverdächtige.
Die Serie von Angriffen auf Infrastruktur reißt derweil nicht ab. Im Juni brannte es in einem Umspannwerk in Reutlingen, weitere Vorfälle gab es unter anderem in Regensburg sowie zuletzt an der Bahnstrecke Köln-Düsseldorf.
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